EZB hat mit geldpolitischer Wende nicht besonders eilig


09.06.17 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den monetären Expansionsgrad erwartungsgemäß nicht verändert, berichten die Analysten der Helaba.

Der Einlagensatz liege weiterhin bei -0,4% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0%. Das Volumen der monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des APP betrage 60 Mrd. EUR. Die Rhetorik falle etwas zuversichtlicher aus, denn konjunkturelle Risiken würden nun als ausgeglichen bezeichnet. Der Passus, wonach die Zinsen nochmals gesenkt werden könnten, sei zwar gestrichen worden, der EZB-Rat gehe aber davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des QE-Programms hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben würden. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es die Währungshüter mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig hätten und sehr zögerlich vorgehen würden.

Entscheidend für die Geldpolitik scheine derzeit die Entwicklung der Kerninflation zu sein. Diese sei zwar nicht die Zielgröße der EZB, aber in der Argumentation der Notenbanker nehme sie derzeit einen größeren Stellenwert ein. So habe Präsident Draghi erneut davon gesprochen, dass die Kernverbraucherpreise noch keinen überzeugenden Aufwärtstrend aufweisen würden. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Inflationsprojektionen der EZB nach unten angepasst worden seien. Der EZB-Stab rechne im Mittel mit einer EWU-Teuerungsrate von 1,5% in diesem, 1,3% im kommenden Jahr und 1,6% im Jahr 2019.

Neben der EZB-Ratssitzung habe auch die Wahl in Großbritannien für Spannung gesorgt. Premierministerin May habe die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen können, der erhoffte Rückenwind bei den "Brexit"-Verhandlungen mit der EU bleibe aber aus, denn die absolute Mehrheit der Parlamentssitze sei verloren gegangen. May sei nun nicht nur auf die Hardliner in ihrer Partei angewiesen, sondern wohl auch auf Regionalparteien wie beispielsweise aus Nordirland.

Mit der Erholung an den Aktienmärkten seien die Kurse deutscher Staatsanleihen zunächst unter Druck gekommen. Das zögerliche Vorgehen der EZB bei der Normalisierung der Geldpolitik habe später für Unterstützung und eine gut behauptete Tendenz gesorgt. Der seit Mai bestehende Aufwärtstrendkanal im Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei intakt. Die Unterstützungslinie verlaufe bei 163,55 und die vor kurzem getestete Widerstandslinie bei 165,33. Dort liege auch das Hoch vom 20. April. Das Kontrakthoch sei bei 165,93 zu finden. Fundamentale Impulse für eine derartige Befestigung gebe es heute aber nicht. Zudem würden die quantitativen Indikatoren im Tageschart erste Schwächetendenzen erkennen lassen. Die Trading-Range liege von 164,30 bis 165,50. (09.06.2017/alc/a/a)





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