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EZB hat beschlossen, die Anleihekäufe des PEPP-Programms in Q4/2021 moderat zurückzufahren


10.09.21 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die europäischen Börsen standen gestern ganz im Zeichen der EZB-Zinssitzung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Deutlich zu spüren gewesen sei die Anspannung der Investoren, da sie im Vorfeld der Zinsentscheidung eine wesentlich härtere Gangart der EZB befürchtet hätten. Diese sei aber bei einem sehr moderaten Auftritt der Währungshüter ausgeblieben, woraufhin die europäischen Aktienindices erleichtert die anfänglichen Kursrückgänge großteils wieder hätten ausgleichen können. Während der EURO STOXX 50 nahezu unverändert aus dem gestrigen Handel ging, vermochte das deutsche Börsenbarometer DAX sogar ein leichtes Kursplus über die Ziellinie zu retten, so die Analysten der RBI.

Konkret habe die EZB auf der gestrigen Sitzung beschlossen, die erhöhten Anleihekäufe des Pandemie-Notfallkaufprogramms (PEPP) im vierten Quartal 2021 moderat zurückzufahren. Die Notenbank habe dabei aber kein explizites neues Zielvolumen bekannt gegeben, sondern vielmehr betont, dass sie flexibel auf die Marktbegebenheiten reagieren und weiter für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen wolle. Der Verlauf des PEPP über Q4/2021 hinaus habe gestern aber nicht zur Debatte gestanden und solle erst in der Dezember-Sitzung entschieden werden.

Jenseits des Atlantiks sei der gestrige Handelstag jedoch genau umgekehrt verlaufen: Die Wall Street habe durchwegs freundlich eröffnet, aber die anfänglichen Gewinne nicht halten können und klar ins Minus gedreht. Die Technologiewerte hätten sich (wieder einmal) etwas besser als die Standardtitel gehalten, aber unter dem Strich hätten sich die US-Indices im Ausmaß kaum etwas geschenkt. Vor allem Pharma-Aktien hätten nachgegeben, nachdem zunehmend Berichte im Raum stünden, dass die Biden-Administration die Medikamentenpreise senken wolle.

Zudem würden sich die Marktteilnehmer fragen, wann die US-Notenbank FED mit der Rückführung der konjunkturstützenden Anleihekäufe beginnen werde. Die Befürchtung, dass dies doch recht bald geschehen könnte, sei nach den gestern veröffentlichten Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe jedenfalls nicht kleiner geworden. In der vergangenen Woche hätten 310.000 US-Bürger einen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt. Die Erwartungen hätten bei 335.000 gelegen. Im sequenziellen Wochenvergleich seien das 35.000 weniger als in der Vorwoche, was auch das niedrigste Niveau seit fast 18 Monaten darstelle. Allerdings habe sich der Arbeitsmarkt aber immer noch nicht vollständig erholt, zumal die Zahl der Beschäftigten noch um rund 5,3 Mio. unter ihrem Höchststand von Februar 2020 liege. (10.09.2021/alc/a/a)