EZB halbiert Anleiheankäufe, aber Leitzinswende lässt noch auf sich warten


06.11.17 10:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat hat auf seiner Sitzung am 26. Oktober entschieden, die Mindestlaufzeit seines Anleiheankaufprogramms um neun Monate bis September 2018 zu verlängern, so die Analysten von Postbank Research.

Zugleich sei das monatliche Nettoankaufvolumen mit Wirkung zum Januar 2018 von derzeit 60 Mrd. EUR auf 30 Mrd. EUR reduziert worden. Wie in der Vergangenheit habe die EZB aber darauf hingewiesen, dass das Ankaufprogramm zumindest solange laufen werde, bis der Rat die Inflation auf einem Pfad sehe, der mit seinem Inflationsziel vereinbar sei.

Auch sei die Option beibehalten worden, das monatliche Ankaufvolumen wieder zu erhöhen und/oder die Laufzeit zu verlängern, falls sich der Inflationsausblick wieder verschlechtere oder falls sich die Bedingungen an den Finanzmärkten so entwickeln würden, dass sie unvereinbar würden mit einer weiteren, nachhaltigen Annäherung an das Inflationsziel. Die Analysten würden dies vor allem als Signal der EZB werten, dass sie auch zukünftig bei jedem Schritt weg von der ultra-expansiven Geldpolitik darauf achten werde, Verwerfungen an den Finanzmärkten, soweit es eben gehe, zu vermeiden.

Aufgrund dessen würden die Analysten auch nicht erwarten, dass die EZB ihre Ankäufe im September 2018 abrupt einstelle. Vielmehr würden die Analysten davon ausgehen, dass sie im 4. Quartal 2018 eine kurze Tapering-Phase einschiebe und die Nettoankäufe Ende 2018 auslaufen lasse. Der Zeitpunkt des Auslaufens der Nettoankäufe sei auch von Bedeutung für den Ausblick auf die Leitzinsen, da die EZB seit langer Zeit betone und aktuell noch einmal bekräftigt habe, dass diese noch für längere Zeit nach Beendigung der Nettoankäufe auf dem derzeitigen Niveau bleiben würden.

Dies deute nach Ansicht der Analysten darauf hin, dass der EZB-Rat beabsichtige, frühestens ein halbes Jahr nach Auslaufen des Ankaufprogramms in Sachen Leitzinsen aktiv zu werden. Aber auch hier gelte nach Erachten der Analysten, dass unnötig langes Abwarten schädlich wäre, da im Zeitablauf die negativen Begleiteffekte der Niedrigzinspolitik immer stärker zum Tragen kommen würden. Diese Einschätzung sollte sich auch im EZB-Rat verstärkt durchsetzen. Die Analysten würden deshalb mit einer ersten Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes um die Jahresmitte 2019 rechnen.

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank habe auf seiner Sitzung Anfang November den Leitzins bei 1,00 bis 1,25% unverändert belassen. Zugleich hätten die FOMC-Mitglieder der US-Wirtschaft aber ein anhaltend solides Wachstum bescheinigt. Die Analysten würden deshalb unverändert davon ausgehen, dass die FED ihren Leitzins im Dezember um 25 Basispunkte anheben werde, auch wenn sie sich weiterhin unzufrieden mit der gedämpften Entwicklung der Inflation gezeigt habe. Im kommenden Jahr würden die Analysten mit zwei weiteren Zinsschritten rechnen, sodass die FED Funds Target Rate bis Ende 2018 auf 1,75 bis 2,00% steigen dürfte. (Ausgabe November 2017) (06.11.2017/alc/a/a)