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EZB geht gelassen in die Sommerpause


16.07.20 17:00
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Es war die letzte Sitzung vor der Sommerpause, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Die EZB habe keine wichtigen geldpolitischen Entscheidungen getroffen. Das sei auch nicht nötig gewesen. Die EZB habe deshalb gut daran getan, Stabilität und Verlässlichkeit zu signalisieren, aber auch Gelassenheit auszustrahlen.

Das sei auch nötig, denn sowohl den Finanzmärkten als auch den Volkswirten fehle im Moment ein Kompass - die Unsicherheit sei groß. Obwohl das Kreditgeschäft dank der unterstützenden Maßnahmen seitens der EZB den Umständen entsprechend sehr gut laufe, würden die Volkswirte bereits vor einem heißen Herbst warnen. Ein Anschwellen der Insolvenzen würde auch die Zahl der notleidenden Kredite signifikant erhöhen.

Aber auch die Aktienanalysten würden schwimmen. Laut einer aktuellen Umfrage würden sie erwarten, dass der DAX am Jahresende ungefähr auf dem aktuellen Niveau stehen werde. Das Problem: Genau diese Aussage hätten die Analysten auch im Mai schon getroffen, als der DAX noch 12 Prozent unter dem jetzigen Niveau gelegen habe.

Die Situation sei auch vertrackt. Konjunktur und Richtung der Geldpolitik würden von der Entwicklung der Pandemie abhängen. Deren Fortgang sei aber in keiner Weise prognostizierbar. Offensichtlich sei inzwischen aber, dass sie sich länger hinziehe, als noch im März vermutet.

Die mutigen Maßnahmen der EZB hätten dazu beigetragen, die Liquiditätsengpässe zu vermeiden, die möglicherweise zu einem noch stärkeren Wirtschaftsrückgang geführt hätten. Diese Strategie werde sie fortführen. Eines aber müsse immer klar sein: Die EZB erkaufe mit ihrer Geldpolitik dem europäischen Wirtschaftsraum nur Zeit. Lösen könne sie die Probleme nicht. (16.07.2020/alc/a/a)