EZB dürfte mit weiterer geldpolitischer Lockerung noch zuwarten


01.11.19 11:52
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen werden mit den finalen Einkaufsmanagerindices (PMI) die letzten relevanten Konjunkturumfragen für den Monat Oktober veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Die vorliegenden Schnellschätzungen für die Eurozone sowie Deutschland und Frankreich würden auf schwache Resultate für Italien und Spanien hinweisen. Die Analysten würden vor allem in Spanien mit einem Rückgang der PMI rechnen, in Italien könnten sich die Umfragewerte vergleichsweise besser gehalten haben. Weiters werde mit dem Sentix Index der erste Frühindikator für den Monat November veröffentlicht. Die Analysten würden mit einem merklichen Anstieg dieses Stimmungsbarometers rechnen, welcher sich vorwiegend aus einer Aufhellung der Zukunftserwartungen ergeben sollte. Zuletzt seien die anstehenden Industriedaten von Interesse. Nach dem Absturz des Auftragseingangs der deutschen Industrie in den letzten beiden Monaten müsse im September mit einem Rebound gerechnet werden. Der Output sollte sich dagegen im Vergleich zum Vormonat reduziert haben. Auch in Spanien würden die jüngsten Umfragen auf einen deutlichen Rückgang der Produktion im Vormonatsvergleich hindeuten.

In der abgelaufenen Woche hätten die vorläufigen Ergebnisse für das BIP (drittes Quartal) und die Inflationsrate (Oktober) leicht positiv überraschen können. Allerdings seien die Daten keinesfalls Grund zur Freude. Denn erstens habe sich die Wirtschaftsdynamik nur nicht weiter abgekühlt. Zu Buche stehe noch immer eine schwache Konjunkturlage mit erheblichen Abwärtsrisiken. Zweitens habe sich die Inflationsrate erneut ein wenig reduziert. Auch wenn die Teuerung ex Nahrungsmittel & Energie seit Sommer über die 1%-Marke geklettert sei, könne daraus nicht ein nachhaltiger Aufwärtstrend Richtung EZB-Ziel abgeleitet werden. Die EZB dürfte in ihren aktuellen Prognosen ein zeitnahes Anziehen der wirtschaftlichen Aktivität unterstellt haben. Die jüngsten Daten sollten von der Notenbank dahingehend interpretiert werden, dass sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld unverändert schwach präsentiere, der Abwärtsdrift sich aber vorerst nicht fortgesetzt habe.

Dennoch könnte diese Stabilisierung der Wirtschaft auf einem niedrigen Niveau für die Notenbank vorerst genug sein, um mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung noch zuzuwarten. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG haben ihre Prognose für eine Senkung des Einlagesatzes im Dezember unter Revision gestellt und werden in den kommenden Tagen das Wording entscheidender EZB-Ratsmitglieder genau verfolgen. Für die Prognose der Renditen für deutscher Staatsanleihen mache eine Zinssenkung ein paar Monate früher oder später keinen Unterschied. Die Kaufempfehlung der Analysten für deutsche Staatanleihen bleibe daher unverändert. (Ausgabe vom 31.10.2019) (01.11.2019/alc/a/a)