EZB dürfte erste Leitzinserhöhung frühestens Ende 2018/Anfang 2019 vornehmen


08.06.17 12:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Industrieproduktion ist im April um 0,8% gegenüber dem Vormonat gestiegen, so die Analysten von Postbank Research.

Zudem sei der Wert für März von -0,4% auf -0,1% revidiert worden. Impulse seien im April vom Verarbeitenden Gewerbe (+0,4%) und insbesondere von der Energieproduktion (+5,7%) ausgegangen. Dagegen habe die Bauproduktion (-0,1%) leicht nachgegeben. Das starke April-Ergebnis deute - bei aller gebotenen Vorsicht - jetzt bereits auf einen positiven Beitrag der Industrie zum BIP-Wachstum im 2. Quartal hin.

Eurostat gebe heute die revidierten Daten für das EWU-BIP-Wachstum im 1. Quartal bekannt. Die Analysten würden allerdings nicht mit gravierenden Revisionen der bislang veröffentlichten Zahlen rechnen. So sollte die Wachstumsrate von 0,5% im Vorquartalsvergleich ebenso bestätigt werden wie die Zuwachsrate von 1,7% gegenüber dem 1. Quartal 2016.

Auf größeres Interesse als die Konjunkturdaten dürfte heute die geldpolitische Sitzung des EZB-Rates stoßen. Wie üblich werde die EZB auf ihrer letzten Sitzung im Quartal auch die neuen Projektionen ihres Mitarbeiterstabes für Inflation und Wachstum im Euroraum präsentieren. Diesbezüglich würden die Analysten allenfalls begrenzte Anpassungen gegenüber den März-Projektionen erwarten. So könnte die EZB aufgrund der aktuellen Inflationsdaten ihre Inflationsprojektion für 2017 von bislang 1,7% leicht senken. Die Erwartungen für 2018 von 1,6% sowie für 2019 von 1,7% sollten aber unverändert bleiben.

Hinsichtlich des BIP-Wachstums würden die Analysten von einer vollständigen Bestätigung der bestehenden Projektionen ausgehen. Darüber hinaus sei auf der anstehenden Sitzung mit einer Veränderung des geldpolitischen Kurses sicherlich nicht zu rechnen. Allerdings dürfte Präsident Draghi auf der EZB-Pressekonferenz vereinzelte Änderungen an seinem Statement vornehmen, die geeignet sein sollten, die Einschätzung zu untermauern, dass die EZB einem geldpolitischen Strategiewechsel ganz langsam, aber sicher näher rücke. Die Analysten würden es für wahrscheinlich halten, dass die Risikoeinschätzung der EZB für das Wachstum von leicht negativ auf neutral angepasst werde.

Parallel hierzu sollte die EZB den Hinweis auf die Option einer eventuellen, weiteren Leitzinssenkung aus dem Pressestatement streichen. Möglicherweise erfolge letzterer Schritt aber auch erst auf der nachfolgenden Sitzung im Juli. Im September werde die EZB nach Einschätzung der Analysten ein Tapering ihrer Anleiheankäufe ankündigen, das im Januar 2018 beginnen und zur Mitte desselben Jahres abgeschlossen werden sollte. Eine erste Leitzinserhöhung dürfte sie aber frühestens Ende 2018 / Anfang 2019 vornehmen. Ein geldpolitischer Strategiewechsel stehe damit bevor. Dieser werde aber voraussichtlich im Zeitlupentempo verlaufen.

Das Ereignis des Tages würden aber die vorgezogenen Wahlen zum britischen Unterhaus darstellen. Die Wahllokale hätten seit 08:00 Uhr MESZ geöffnet. Schließen würden sie um 23:00 Uhr MESZ. Das endgültige Ergebnis werde für 4 bis 5 Uhr am Freitagmorgen erwartet. (08.06.2017/alc/a/a)