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EZB bleibt zuversichtlich zur Konjunktur


14.09.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ auf der gestrigen Zinssitzung den zuletzt beschlossenen geldpolitischen Maßnahmenmix sowie die offizielle Wortwahl weitgehend unverändert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Leitzinsen würden unverändert bleiben (Einlagesatz bei -0,4%, Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0%, Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25%) und sollten noch zumindest bis über den Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau gehalten werden bzw. darüber hinaus solange es notwendig sei, um sicherzustellen, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung Notenbankziel bewege.

Die Netto-Anleihekäufe (Net asset purchases) von aktuell durchschnittlich EUR 30 Mrd. pro Monat würden von Oktober bis Dezember 2018 auf EUR 15 Mrd. pro Monat reduziert. Sofern sich der angenommene Inflationspfad bestätige, würden die Netto-Käufe Ende 2018 eingestellt.

Die Tilgungen von Anleihen, die unter dem aktuellen Anleihekaufprogramm (asset purchase programme, APP) erworben worden seien, sollten für längere Zeit nach Ende der Nettozukäufe reinvestiert werden.

Der Aufschwung sei als breit unterstützt beschrieben worden, der vor allem von der Erholung der Binnennachfrage getragen werde. Die Konjunktur erscheine somit als robust und die Risiken für den Konjunkturausblick seien als weitgehend ausgewogen beurteilt worden. Gleichzeitig hätten sich die Risiken aus steigendem Protektionismus, der Verwundbarkeit von Emerging Markets und der Finanzmarktvolatilität zuletzt erhöht.

Die Inflationsrate sollte sich bis Jahresende um das zuletzt erreichte Niveau von 2,0% p.a. bewegen. Während der Inflationsbeitrag aus den gestiegenen Energiepriesen Stück für Stück nachlassen werde, sollte die Kernrate und somit der zugrunde liegende Preisdruck ab Ende des Jahres graduell zunehmen.

Im Zuge der EZB-Zinssitzung sei die Rendite von deutschen Staatsanleihen ein wenig angestiegen, der Euro habe um rund 0,5 Cents gegenüber dem US-Dollar zugelegt.

Einerseits seien die BIP-Wachstumsschätzung für das Jahr 2018 und 2019 ein wenig nach unten revidiert und die Abwärtsrisiken etwas stärker hervorgehoben worden. Andererseits sei die Einschätzung von EZB-Präsident Draghi, dass die Wirtschaftsentwicklung bis zuletzt im erwarteten Rahmen verlaufen sei, freundlich ausgefallen. Immerhin seien in den letzten Monaten einige überraschend schwache Aktivitätsdaten zu beobachten gewesen. In Summe fiel mit der starken Betonung auf die Robustheit der konjunkturellen Lage die Gesamtbeurteilung der EZB für den Wirtschaftsausblick unserer Meinung nach freundlich aus, so die Analysten der RBI. Die Inflationsprognosen bzw. die Einschätzung des Inflationsverlaufs seien nicht verändert worden. Angesicht der ebenfalls unveränderten Wortwahl zur zukünftigen Ausgestaltung der Geldpolitik liefere diese EZB-Sitzung nach Meinung der Analysten der RBI keine wesentlichen Impulse für Geldmarktsätze, Renditen für deutsche Staatsanleihen sowie die mittel- bis längerfristigen Zinserwartungen. (Ausgabe vom 13.09.2018) (14.09.2018/alc/a/a)