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EZB bleibt unverändert im Krisenmodus


14.09.20 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den von den Technologieaktien in der Vorwoche ausgelösten Gewinnmitnahmen hat sich die Lage an den Aktienmärkten etwas beruhigt, so die Experten von Union Investment.

Dennoch hätten in der Berichtswoche vor allem die US-Aktienbörsen etwas nachgegeben. An den Rentenmärkten hätten sich die Anleihenotierungen in engen Spannen bewegt. Von der Europäischen Zentralbank, die am Donnerstag getagt habe, habe es wie erwartet keine neuen geldpolitischen Beschlüsse gegeben.

Wie erwartet habe die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag keine Änderungen an ihrem Corona-bedingten Krisenmodus vorgenommen: Das Volumen des Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) verbleibe bei 1.350 Milliarden Euro. Es werde bis mindestens Juni 2021 durchgeführt beziehungsweise so lange, bis der EZB-Rat zu der Einschätzung gelange, dass die Corona-Krise überwunden sei. Die Leitzinsen würden ebenfalls unverändert bleiben (Einlagenzins bei -0,5 Prozent, Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0 Prozent und Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25 Prozent).

Auf der Pressekonferenz habe Lagarde auf die kräftige Erholung der Wirtschaftsaktivität verwiesen, auch wenn deren Niveau noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau läge. Dabei sei Lagarde auch auf die zuletzt unterschiedliche Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor eingegangen; letzterer habe zuletzt etwas an Schwung verloren. In den neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs komme der etwas günstigere kurzfristige Wirtschaftsausblick zum Ausdruck. Die EZB rechne für das laufende Jahr nur noch mit einem Konjunktureinbruch von acht Prozent.

Die EZB sehe die Stärke der Wirtschaftserholung grundsätzlich weiterhin mit hoher Unsicherheit behaftet, da der Erholungspfad in hohem Maße vom Pandemieverlauf abhängig sei. Dies erfordere eine Fortsetzung des großzügigen geldpolitischen Stimulus, um die wirtschaftliche Erholung zu begleiten und um mittelfristig das Ziel der Preisstabilität zu gewährleisten. Bezüglich der Überprüfung der eigenen geldpolitischen Strategie habe die Pressekonferenz wenig Neuigkeiten gebracht. Man habe die Strategieanpassung seitens der FED zur Kenntnis genommen und werde mit der Überprüfung der eigenen Strategie weiter fortfahren und dabei jeden Stein umdrehen. Darüber hinaus habe die EZB die Euro-Stärke ins Visier genommen und beobachte deren mögliche Implikationen auf die Inflation genau. Es sei davon auszugehen, dass die Währungspolitik künftig generell verstärkt im Blickpunkt der Zentralbanken stehen werde.

Bezüglich der Konjunkturdaten seien in der Berichtswoche nur wenige relevante Zahlen veröffentlicht worden. Die deutsche Industrieproduktion etwa sei im Juli um 1,2 Prozent und damit um einiges weniger als erwartet angestiegen. In den USA habe die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 884.000 nahezu auf Vorwochenniveau gelegen. Mit den in der Vorwoche veröffentlichten neu geschaffenen Stellen seien in jüngster Vergangenheit rund 50 Prozent der verlorenen US-Arbeitsplätze zurückgeholt worden. Insgesamt bleibe angesichts der in der Berichtswoche veröffentlichten Daten das Resümee, dass die wirtschaftliche Erholung weiterhin intakt sei, die Dynamik im Erholungsprozess sich allerdings abschwäche. (Ausgabe vom 11.09.2020) (14.09.2020/alc/a/a)