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Der EZB bleibt nur die Hoffnung, dass der Euro abwertet


09.09.20 09:45
First State Investments

London (www.anleihencheck.de) - Anthony O'Brien, European Rates and Currency Strategist bei First State Investments, kommentiert die für Donnerstag anberaumte Leitzins-Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Von der Sitzung der EZB am Donnerstag würden wenige geldpolitische Neuigkeiten erwartet. Der zuletzt gestiegene Euro bereite der EZB Sorge und manch einer glaube, die Maßnahmen könnten einen Fall der Währung auslösen. Könne die EZB also den Euro schwächen? Die Experten von First State Investments würden das nicht glauben. Die Zurückhaltung der EZB werde entweder als harter geldpolitischer Kurs oder - noch schlimmer - als machtlos gewertet werden. Die jüngste Inflationsrate der Eurozone von minus 0,2 Prozent sei zum ersten Mal seit Mai 2016 wieder deflationär. Es werde erwartet, dass die neuen Prognosen der EZB-Experten für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI, Harmonised Index of Consumer Prices) deutlich unter dem Zielwert liegen würden.

Das würde normalerweise eine weitere Lockerung durch den EZB-Rat bedeuten. Doch habe die EZB noch nicht einmal die Hälfte des 1.350 Milliarden Euro schweren Pandemie-Notfallkaufprogramms (PEPP, Pandemic Emergency Purchase Programme) ausgeschöpft und scheine ihre Ankäufe auch nicht beschleunigen zu wollen. Deshalb würden die Experten von First State Investments nicht davon ausgehen, dass das Programm in nächster Zeit aufgestockt werde. Da der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve (FOMC, Federal Open Market Committee) sein neues geldpolitisches Rahmenprogramm nächste Woche mit zusätzlichen Lockerungen unterstreichen könnte, bleibe der EZB nur die Hoffnung, dass der Euro abwerte. (09.09.2020/alc/a/a)