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EZB betont anhaltend expansive Geldpolitik


11.09.20 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf der gestrigen Zinssitzung den aktuellen Maßnahmenmix sowie die Kommunikation zum zukünftigen Werdegang der Geldpolitik (forward guidance) unverändert belassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Maßnahmenmix setze sich weiterhin zusammen aus äußerst niedrigen Leitzinsen (Einlagesatz bei -0,5%, Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0%, Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25%), umfangreichen Anleihekaufprogrammen mit unterschiedlichen Laufzeiten, Schwerpunkten und Volumina (APP, APP Envelope, PEPP) sowie einer generösen Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken mithilfe speziell angebotenen Refinanzierungsgeschäften (PELTRO, TLTRO III). Auch die explizite Neigung für weitere geldpolitische Impulse (easing bias) sei aufrecht geblieben.

Die EZB habe die neuen BIP-Wachstums- und Inflationsprognosen für die Eurozone präsentiert. Im dritten Quartal zeichne sich ein starker Rebound ab, die letzten Daten würden aber eine abflauende Erholung im Dienstleistungsbereich signalisieren. Die Unsicherheiten für den Konjunkturausblick würden sich vorrangig aus der Corona-Pandemie ergeben und würden als hoch beurteilt. Die Risiken seien laut EZB nach unten gerichtet.

Die Teuerungsrate werde laut EZB-Prognose in den kommenden Monaten im negativen Bereich verharren, wobei auch temporäre Faktoren (z.B. Mehrwertsteuersenkung in Deutschland) eine wesentliche Rolle spielen würden. Mittelfristig würden die jüngste Aufwertung des Euro und die Unterauslastung der Wirtschaft den Preisauftrieb weiterhin klar unter das Inflationsziel drücken und den Preisaufwärtsdruck aus Angebotsverknappungen bei vereinzelten Produkten mehr als ausgleichen.

Die Bekanntgabe der Entscheidungen habe bei Renditen von deutschen Staatsanleihen eine leichte Aufwärtsbewegung ausgelöst. Der Euro habe gegenüber dem USD ein wenig zulegen können.

Der offizielle Pressetext zu den Beschlüssen sei deckungsgleich zur Aussendung im Juli gewesen. Bei der Vorstellung der neuen Prognosen auf der Pressekonferenz habe EZB-Präsidentin Lagarde etwas zuversichtlicher bezüglich des Wirtschaftsausblicks als im Juli gewirkt. Dabei sei die Einigung der EU auf einen gemeinschaftlichen fiskalischen Impuls hervorgehoben worden. Die Analysten der RBI würden in etwa die Wirtschaftsprognosen der EZB teilen. Allerdings würden sie das Erholungspotenzial für das kommende Winterhalbjahr etwas vorsichtiger beurteilen, was sich in ihrer niedrigeren BIP-Wachstumsschätzung für 2021 (RBI: 3,7%) ausdrücke. Den Rebound der Teuerung im Jahr 2021 sähen die Analysten der RBI etwas akzentuierter als die EZB (RBI 1,6%). Im Redetext und bei den Fragen sei der jüngsten Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar auffallend viel Raum gegeben worden. Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Geäußerte auf übliche Floskeln beschränkt habe. Auf dem aktuellen Wechselkursniveau sehe die Notenbank offensichtlich keine Notwendigkeit für geldpolitischen Aktionismus. Die EZB signalisiere aber die prinzipielle Bereitschaft, bei einer weiteren Eurostärke Maßnahmen zu setzen. (Ausgabe vom 10.09.2020) (11.09.2020/alc/a/a)