EZB berät über Ankaufprogramme - Entscheidungen aber (noch) unwahrscheinlich


07.09.17 08:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Am Donnerstag trifft sich der EZB-Rat zu seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung mit Zinsentscheidung, berichten Mario Gruppe, CIIA, und Thomas Scholz von der Nord LB.

Dabei dürften die Notenbanker in erster Linie über die Ausstiegsoptionen und den -fahrplan aus den Wertpapierankäufen beraten. Die Analysten der Nord LB waren bislang davon ausgegangen, dass die Notenbanker bereits erste Beschlüsse fassen und der Markt im Anschluss an die Zusammenkunft einige Hinweise auf das geplante Vorgehen erhält. Zwischenzeitlich spreche allerdings einiges dafür, dass sich die Ratsmitglieder in diesem Monat noch nicht mit konkreten Entscheidungen aus der Deckung wagen und eine Beschlussfassung zumindest um einen Monat in die Zukunft schieben würden. Vor allem von der Devisenseite komme derzeit erhebliches Störfeuer, welches gegen einen zeitnahen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik spreche. Nicht wenige Marktteilnehmer würden sogar glauben, dass die EZB den starken Euro explizit als möglichen Risikofaktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einerseits und damit auch für die mittelfristige Erreichung des Inflationsziels andererseits benennen könnte.

In diesem Umfeld wäre die Vorstellung eines konkreten QE-Plans natürlich kontraproduktiv. Von daher dürfte auch die Pressekonferenz mit Blick auf das Ankaufprogramm wenig Neues an Informationen bereithalten. Unabhängig hiervon glauben die Analysten der Nord LB aber nach wie vor, dass mit dem Jahreswechsel 2017/18 auch die Zeit des Ausstiegs gekommen ist - lediglich die Geschwindigkeit, mit der die Ankäufe reduziert werden, dürfte noch "verhandelbar" sein. Angesichts der bereits angesprochenen Devisenmarktentwicklung würden viele Ratsmitglieder sicher einen sanften Ausstieg favorisieren. Allerdings dürfte die von den Analysten an dieser Stelle bereits mehrfach benannte Knappheitsproblematik einem allzu sanften Ausstiegspfad entgegenstehen.

Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am vergangenen Sonntag hat uns daran erinnert, dass in weniger als drei Wochen die Wahl zum Deutschen Bundestag ansteht, so die Analysten der Nord LB. Anders als etwa in Frankreich - wo es im Vorfeld der Wahl zum Staatspräsidenten zu einem erheblichen Anstieg der Marktvolatilität und steigenden Spreads französischer Emittenten gekommen sei - sei dieser Termin für die Rentenmärkte allerdings kein echtes Thema. Zu deutlich liege die Kanzlerin in den Umfragen in Front und zu ähnlich seien die Programme, als dass eine Wahlüberraschung (sei sie noch so unwahrscheinlich) zu neuen Rahmenbedingungen für deutsche Agencies führen könnte. Entsprechend bleibe die bereits angesprochene EZB-Geldpolitik das marktbeherrschende Thema und die politischen Aspekte würden aktuell zumindest keine Rolle spielen.

Die finnische Municipality Finance (KUNTA) sowie die International Investment Bank (IINVBK) hätten für Anfang nächster Woche Roadshows angekündigt. KUNTA plane in diesem Zusammenhang Ende des Monats die Emission ihres ersten in EUR denominierten Green Bonds. Die Anleihe dürfte im mittleren bis langen Laufzeitenbereich begeben werden. Die Analysten der Nord LB rechnen zudem mit einer Platzierung im Benchmarkformat. Zudem bereite die IINVBK die Emission einer Anleihe vor. Nach Investorengesprächen wolle sich die Bank entscheiden, ob der neue Bond in EUR oder RON (Rumänischer Leu) begeben werde. Derzeit habe die Emittentin zwei Anleihen in RON sowie eine kleinere EUR-Anleihe (EUR 30 Mio.) ausstehen. Die IINVBK plane, mit den Geldern ihre Aktivitäten in Rumänien zu finanzieren.

Mit der KFW und der IBBSH seien zuletzt zwei deutsche Agencies am Primärmarkt aktiv gewesen. Die IBBSH habe dabei ihre vierte Benchmarkanleihe (ISIN DE000A13SL75 / WKN A13SL7) begeben und EUR 500 Mio. eingesammelt. Seit 2014 sei die regionale Förderbank genau einmal pro Jahr am Emissionsmarkt aktiv - so nun auch 2017. Das bis 2024 laufende Papier sei bei ms -10 Bp begeben worden. Es sei davon auszugehen, dass es sich um den einzigen Primärmarktauftritt der IBBSH in diesem Jahr gehandelt habe.

Anders sei die Situation bei der KFW (ISIN DE000A2GSFA2 / WKN A2GSFA). Sie habe EUR 5 Mrd. für zehn Jahre eingesammelt. Das Finalpricing habe bei ms -20 Bp gelegen, nachdem die Guidance noch ms -19 Bp betragen habe. Im aktuellen Marktumfeld gehen die Analysten der Nord LB davon aus, dass die Anleihe gut absorbiert wird, die Spreads dürften sich, trotz des Pick-ups im niedrigen einstelligen Bereich, sekundär eher einengen. Die Platzierung sei bereits die neunte EUR-Benchmarkemission im laufenden Jahr gewesen. Entsprechend komme die größte deutsche Agency auch ihrem Fundingziel für das Gesamtjahr (EUR 75 bis 80 Mrd.) immer näher. Aktuell habe sie bereits mehr als EUR 65 Mrd. eingesammelt.

Kurz vor der Emission eines Green Bonds (10Y; EUR 500 Mio.) stehe die NRW.Bank. Die Anleihe dürfte im Bereich ms -15 Bp gepreist werden.

Darüber hinaus sei auf zwei Taps hinzuweisen. Das Land Niedersachsen habe seine bis 02/2020 laufende Anleihe um EUR 250 Mio. aufgestockt. Das Anleihevolumen liege nunmehr bei EUR 750 Mio. Der Tap sei zu ms -27 Bp begeben worden. Auch die französische Agence française de développement (AGFRNC) habe einen langlaufenden Bond (07/2032) erfolgreich um weitere EUR 350 Mio. aufgestockt. Die AGFRNC sehe sich angesichts ihres geänderten Rechtsstatus und den damit verbundenen Änderungen mit Blick z.B. auf die LCR-fähigkeit größeren Herausforderungen bei der Platzierung ihrer Anleihen gegenüber.

Kurz vor ihrer ersten Fremdwährungsemission stehe zudem offenbar die HSH Portfoliomanagement (HSHPFM). Demnach plane die Abbaugesellschaft die Platzierung ihrer ersten USD-Anleihe. Bislang habe die Emittentin vier jeweils auf EUR lautende Anleihen im Gesamtvolumen von EUR 650 Mio. begeben.

Auch die ICO (ISIN XS1681522998) sei am Kapitalmarkt aktiv geworden. Bei der Transaktion über EUR 1 Mrd. (2022, Guidance ms +9 Bp) habe das Finalpricing bei ms +8 Bp gelegen. Trotz des auch hier eher geringen Pick-ups gegenüber der Sekundärmarktkurve gehen die Analysten der Nord LB von einer positiven Sekundärmarktperformance aus.

Im Agency-Segment seien gestern nach sehr ruhigen Tagen zwei Neuemissionen an den Markt gekommen. Die KfW habe EUR 5 Mrd. bis 2027 begeben. Im Ländersegment habe es vonseiten des Primärmarkts in der letzten Woche, abgesehen von kleineren Aufstockungen, keine besonderen Aktivitäten gegeben. Auch sekundär seien die Umsätze überschaubar gewesen, die Spreads würden weiterhin geringe Volatilität zeigen. Bei den kanadischen Regionen seien die Spreads in einem ruhigen Marktumfeld ebenfalls unverändert gewesen. (07.09.2017/alc/a/a)






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