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EZB behält alle Handlungsoptionen, Risiken sind nicht von der Hand zu weisen


03.11.17 12:14
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat, wie im Vorfeld der jüngsten Sitzung erwartet, das laufende Kaufprogramm für Anleihen noch einmal deutlich verlängert, wenn auch bei einem geringeren monatlichen Kaufvolumen, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Damit würden die Notenbanker es vermeiden, ihre selbst gesetzten Grenzen zu verletzen. Weiterhin wichtig: Die EZB wolle das Anleiheprogramm auch in Zukunft nicht beenden. Zwar könnte man die monatlichen Käufe mittelfristig gänzlich zurückfahren. Aber die zwischenzeitlich fälligen Anleihen möchte man durch neue ersetzen.

Deshalb laufe das gegenwärtige Programm weiter. Damit behalte die EZB eine maximale Flexibilität in ihren Handlungsoptionen, da sie innerhalb des laufenden Programms jederzeit die regelmäßigen Kaufvolumina möglichen politischen Entwicklungen in den Euroländern anpassen könne. Mit einem festen Enddatum des Programms hätte man hingegen diese Flexibilität genommen. Als Begründung für diese Entscheidung habe man wieder einmal die weiterhin moderate Inflationsentwicklung herangezogen, das robuste Wachstum sei an dieser Stelle nicht gewürdigt worden. Ziel der EZB sei es, weiterhin eine Inflationsrate von knapp unter 2% zu erreichen.

Die europäischen Währungshüter scheinen also zu erwarten, dass die aktuelle Geldpolitik das Wachstum weiterhin stützt, die Inflation nicht wirklich steigt und die strukturellen Schwächen im Euroraum weiterhin überdeckt werden, so die Experten der Alte Leipziger Trust. Man könne nur hoffen, dass dies gelinge. Die Währungshüter würden mit dieser Erwartungshaltung Risiken eingehen. Denn bei dem stabilen Wachstum könne die derzeitige Geldpolitik durchaus zu einer deutlicheren Inflationsdynamik führen. Wenn dieser Fall einträte, müsste die EZB relativ schnell einen merklich restriktiveren geldpolitischen Kurs einschlagen. Eine solche Kursänderung dürfte das Wachstum im Euroraum schwächen, und die bislang ungelösten strukturellen Probleme in einigen Eurostaaten würden wieder die Tagesdiskussionen bestimmen.

Langfristig würden daher durchaus Risiken drohen. Sollte der Ausstieg der Notenbanken aus der Politik des billigen Geldes zu Irritationen bei den Anlegern und möglicherweise zu einem temporären Anstieg der Renditen am langen Ende der Laufzeitenstruktur führen, hätte diese Entwicklung negative Folgen für die Aktienmärkte. (Ausgabe November 2017) (03.11.2017/alc/a/a)