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EZB ändert Wortwahl im "Sommerloch"


22.07.21 16:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Auf der heutigen Sitzung beschloss die EZB, ihren aktuellen Maßnahmenmix beizubehalten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Die Wortwahl in Bezug auf die zukünftige Leitzinssetzung (forward guidance) sei "taubenhaft" etwas adaptiert worden. Die Notenbank wolle nunmehr mit Zinsanhebungen warten, bis sich die Teuerungsrate nachhaltig und deutlich vor Ende des Prognosehorizonts an der 2%-Marke etabliert habe und gegebenenfalls auch zeitweilig darüber liege. Zuvor sei die notwendige Bedingung eine nachhaltige Entwicklung Richtung Inflationsziel gewesen (das vor Bekanntgabe der neuen Strategie mit knapp unter 2% etwas tiefer gelegen habe). Auffällig sei, dass bei der Kommunikation zuletzt aufs Tempo gedrückt worden sei. Nach der Juni Sitzung sei keine Rede davon gewesen, dass bald eine neue geldpolitische Strategie früher als avisiert bekannt gemacht und die Wortwahl bei der heutigen Juli-Sitzung dann darauf aufbauend angepasst werde (eher hätte sich sachlogisch hier entweder der September oder gar der Dezember angeboten). Man habe den Eindruck, dass gewisse Leitplanken - trotz unterschiedlicher Meinungen im EZB-Rat - rasch gesetzt werden sollten, bevor die Umstände dies schwieriger machen könnten. Die Teuerung werde in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte deutlich über der 2%-Marke liegen (in einzelnen Ländern wie Deutschland wohl auch deutlich über der 3%-Marke) und die Notenbank habe wohl nicht unter Druck geraten wollen, ihre anhaltend expansive Haltung bzw. die Leitzinssetzung nicht ausreichend argumentieren zu können.

Für den Markt ändere sich eigentlich nichts. Eine Leitzinsanhebung werde in den kommenden Jahren mit der adaptieren Wortwahl zwar noch unwahrscheinlicher. Die Erwartung von unveränderten Leitzinsen für lange Zeit sei aber ohnehin fest am Markt verankert. Interessanter sei es, wie es mit dem Anleihekaufprogramm PEPP im vierten Quartal (Entscheidung nächste Zinssitzung im September) und vor allem nach März 2022 weitergehen solle. Hier gebe es sehr unterschiedliche Auffassungen im EZB-Rat. Bis März würden die Netto-Käufe sehr sicher anhalten, wenn auch das Volumen in einem nächsten Schritt etwas reduziert werden dürfte. Ein Ende des PEPP sei mit einem Ende der Coronakrise-Phase verbunden - eine Bedingung, die keinesfalls klar definiert sei. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden denken, dass noch für längere Zeit negative wirtschaftliche Auswirkungen der Coronakrise gegeben sein würden (etwa auf dem Arbeitsmarkt), die aus Sicht der Notenbank ein Sicherstellen von günstigen Finanzierungsbedingungen rechtfertigen könnten. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden nicht damit rechnen, dass die EZB ihre Anleihekäufe im März 2022 abrupt auf das aktuelle APP-Volumen zurücknehmen werde. (22.07.2021/alc/a/a)