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EZB-Zinssitzung auf dem Programm


05.06.17 11:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der kommenden Woche ist vor allem die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank von Interesse, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Analysten der RBI erwarten kleine aber relevante Adaptionen der Wortwahl: Erstens dürfte die Notenbank die wirtschaftlichen Risiken nicht mehr als vorrangig abwärts gerichtet, sondern als ausgeglichen erachten. Zweitens dürfte sie den Verweis auf die Möglichkeit einer nochmaligen Zinssenkung fallen lassen. Drittens könnte auch die starke Betonung, das Anleihekaufprogramm im Falle negativer Entwicklungen auszudehnen, entfallen. Die Wirtschaftsprogosen dürfte die EZB weitgehend unverändert belassen (möglich erscheine eine kleine Aufwärtsrevision der BIP-Projektion für 2017 und eine geringfügig niedrigere Inflationsschätzung für 2018). Zuletzt würden die Analysten ein klares Bekenntnis von EZB-Chef Drahghi erwarten, dass der EZB Rat bis September den geldpolitischen Maßnahmenmix evaluieren wolle und einen Plan zur Vorgehensweise 2018 vorstellen werde (die Analysten würden im Jahr 2018 mit einem graduellen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm rechnen).

Die von der EZB-Sitzung von den Analysten erwarteten Informationen würden weitgehend dem Konsens entsprechen. Somit dürfte sich die Marktbewegung im Nachfeld der Pressekonferenz in Grenzen halten. Da sich aber die Signale für eine längerfristig weniger expansive Geldpolitik mehren würden, würden die Analysten auf dem zuletzt erreichten niedrigen Renditeniveau die Empfehlung für fünf- und zehnjährige deutsche Anleihen von Halten auf Verkauf ändern.

Die Daten in den kommenden Tagen: Den Sentix Index erwarten die Analysten der RBI weitgehend unverändert. Bei den Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungsbereich in Spanien und Italien sei mit einem merklichen Rückgang zu rechnen. Der Auftragseingang der deutschen Industrie sollte im April geringer ausfallen als im Vormonat (Gegenbewegung zum starken Auftragspuls im März). Die Ergebnisse zur Industrieproduktion würden zum Teil deutlich den Umfrageindikatoren hinterherhinken. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Outputtätigkeit in den kommenden Monaten an Dynamik gewinne und würden für April in Deutschland, Frankreich und Spanien ein Plus im Vergleich zum Vormonat ansetzen. Auf Basis der vorliegenden BIP-Daten einzelner Länder würden sie eine geringfügige Aufwärtsrevision bei der BIP-Wachstumsrate für die Eurozone für wahrscheinlich halten (zweite Nachkommastelle).

Die politische Lage in Italien habe in den vergangenen Tagen abermals für Verunsicherung an den Märkten gesorgt. So sei der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer Staatsanleihen nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch gegenüber entsprechenden spanischen Anleihen im Wochenverlauf angestiegen. Grund für die erhöhte Nervosität sei die gestiegene Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen im Herbst (September). Denn die größte Hürde für einen Urnengang vor dem regulären Termin im Frühjahr 2018 - die fehlende Einigkeit der (großen) Parlamentsparteien im Hinblick auf ein geändertes, einheitliches Wahlrecht - scheine nun aus dem Weg geräumt zu sein. Zumindest hätten sich die drei größten Parlamentsparteien, darunter Renzis PD und die Fünf Sterne Bewegung, grundsätzlich auf eine Änderung des Wahlrechts geeinigt, die eine Hürde (wahrscheinlich 5%) für den Einzug ins Parlament mit sich brächte. Zwar habe dies die Fragmentierung des Parlaments verringert. Doch selbst in diesem Fall dürfte sich die Regierungsbildung schwierig gestalten. So käme eine tendenziell marktfreundliche Koalition aus PD und Forza Italia gemäß Umfragen derzeit auf knapp 50% der Parlamentssitze.

Auch "spanische Verhältnisse", also lange und schwierige Koalitionsverhandlungen mit offenem Ausgang seien durchaus vorstellbar. Ungeachtet dessen ob die Wahlen bereits im Herbst oder erst im Frühjahr 2018 stattfinden würden, dürfte der Risikoaufschlag italienischer Staatsanleihen (10J ggü. DE) weiter ansteigen. Nicht zuletzt aufgrund der skizzierten politischen Entwicklungen sehen sich die Analysten der RBI in ihrer "Verkauf"-Empfehlung für italienische Staatsanleihen (10J ggü. DE) bestärkt. (Ausgabe vom 02.06.2017) (05.06.2017/alc/a/a)