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EZB-Zinserhöhung rückt näher


06.05.22 09:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei aller Erschütterung über den erbittert geführten Krieg Russlands gegen die Ukraine, bei allen Verwerfungen infolge der abebbenden Corona-Pandemie und bei allen Sorgen um die schleppende Konjunktur steht derzeit eines für die Finanzmärkte fest: Die Notenbanken haben der herannahenden Inflation Stoppschilder entgegengesetzt, so die Analysten der DekaBank.

Eine erhebliche geldpolitische Straffung sei im Gange. Vor diesem Hintergrund verwundere es wenig, dass in den vergangenen Wochen die Renditen fulminant angestiegen seien und der DAX etwas geschwächelt habe.

Bis zuletzt seien die Konjunkturprognosen nach unten revidiert worden, während die Inflationsprognosen nach oben hätten angepasst werden müssen. Das sei ein schwieriges Umfeld für Zentralbanken. Die US-Notenbank FED habe unmissverständlich klargemacht, dass sie konsequent die Leitzinsen erhöhen wolle, um den Inflationsgefahren zu begegnen. Dagegen habe die Europäische Zentralbank (EZB) in den letzten Monaten hin- und hergerissen gewirkt. Bis zuletzt habe sie sich noch zaudernd gezeigt. Ein im Vergleich zur FED deutlich späterer und langsamerer Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik schien angezeigt, so die Analysten der DekaBank.

Doch der Druck auf die EZB sei gewachsen. Für April sei ein Anstieg der Verbraucherpreise um 7,5% gegenüber dem Vorjahresmonat vermeldet worden. Weniger prominent, aber ungleich gefährlicher für die EZB sei der Anstieg der Inflationserwartungen. Diese sollten beim Inflationsziel von 2% verankert sein und bleiben. Daran hänge die Glaubwürdigkeit der Notenbank. Aus diesem Grund sende die EZB inzwischen deutliche Signale für eine baldige monetäre Straffung. Bereits im Juli dürfte die erste Zinserhöhung erfolgen und mit zwei weiteren erwarteten Zinsschritten nach oben könnte der Einlagensatz noch in diesem Jahr ins positive Terrain wechseln.

Also folge die EZB der FED (und vielen anderen Zentralbanken) wohl deutlich schneller als noch vor einem Monat gedacht. Dies möge ganz nebenbei auch den Euro gegenüber dem US-Dollar in den kommenden Monaten wieder etwas erstarken lassen. An den Kapitalmärkten seien die zu erwartenden Leitzinserhöhungen schon weitgehend eingepreist. Mithin dürfte an den Rentenmärkten ein Großteil der Renditesteigerungen für zehnjährige US- und deutsche Staatsanleihen schon erledigt sein. Es sei denn, die Notenbanken müssten mit den Leitzinsen spürbar weiter und klar in den bremsenden Bereich gehen, um die Inflationsrisiken wirksam zu bekämpfen. Da indes die Konjunkturdynamik nachlasse, sich also preissteigernde Nachfrageüberhänge abbauen würden, und damit auch die hohen Inflationsraten sukzessive nach unten gehen dürften, sollte dieses Risiko in den kommenden Monaten erkennbar nachlassen. Dann könnten die Aktienindices wieder ihren Aufwärtstrend aufnehmen und auch die Rentenmärkte könnten hiervon profitierenden. (Ausgabe Mai 2022) (06.05.2022/alc/a/a)