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EZB-Zinserhöhung 2022 "sehr unwahrscheinlich"


19.11.21 14:51
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Zinsspekulationen haben sich in dieser Woche nicht weiter intensiviert, befinden sich aber in den USA mit einem ersten gepreisten Zinsschritt Mitte 2022 unverändert am oberen Rand des Möglichen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In der Eurozone hätten die Bemühungen der EZB-Notenbanker Früchte getragen, die ausgerückt seien, um einen ersten Zinsschritt Ende 2022 als verfrüht einzustufen. Der am Markt gepreiste Zinspfad der EZB habe sich etwas zurückgebildet, was sich durch eine Rede der EZB-Präsidentin Lagarde heute weiter intensiviert habe. Lagarde habe nochmals deutlich gemacht, dass eine Zinserhöhung 2022 als "sehr unwahrscheinlich" gelte und selbst nach dem Ende der Pandemie, was mit einem Ende des PEPP einhergehe, eine entsprechende Kalibrierung der Anleihekäufe notwendig sein werde, um die Konjunkturerholung zu unterstützen und die Inflationsrate nachhaltig an 2% heranzuführen.

Die Analysten der RBI würden eine graduelle Reduktion der Anleihekäufe im Jahresverlauf 2022 - kein abrupter Rückgang im April - als das wahrscheinlichste Szenario erachten. Die EZB werde zwar erst auf der Zinssitzung Mitte Dezember ihre genauen Intentionen kommunizieren, die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der Oktober-Zinssitzung nächste Woche könnte jedoch bereits Aufschlüsse über den diskutierten Fortbestand der Anleihekäufe bringen.

Bund-Renditen seien nach einer zweiwöchigen Seitwärtsphase wieder verstärkt unter Druck gekommen, wodurch die gesamte Bund-Kurve erstmals seit August wieder im negativen Renditebereich notiere (30-Jahre bei 0%). Auch in den USA seien Treasury-Renditen diese Woche eher Renditeabwärtsdruck ausgesetzt gewesen, was aber durch den Renditeanstieg im Zuge der Inflations-Überraschung letzte Woche weniger ins Gewicht falle. Die Beurteilung der Inflationsrisiken im Sitzungsprotokoll der November-Zinssitzung der FED würden Finanzteilnehmer nächste Woche besondere Aufmerksamkeit schenken. Neben den PMIs stünden somit vor allem Notenbank-Protokolle nächste Woche im Fokus. (19.11.2021/alc/a/a)