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EZB-Zinsentscheidung: Draghi hat sich festgelegt


07.09.17 16:22
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die EZB die Leitzinsen heute unverändert gelassen, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Das Thema Zinsnormalisierung sei im Vagen geblieben. Stattdessen folge die EZB weiter ihrem Leitmotiv von "Geduld" und "Vorsicht".

Denn die Vorbereitung einer Zinsnormalisierung im Euroraum gestalte sich schwierig. Schon Draghis Rede aus dem Juni, in der er erstmals vorsichtig Bewegungen in Richtung Zinsnormalisierung angedeutet habe, habe die Euro-Rally nochmals richtig angeheizt und den Euro auf fast 1,20 US-Dollar getrieben. Jetzt seien Formulierungen gefragt, die den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ankündigen würden, ohne gleichzeitig weiteren Zündstoff für eine erneute Euroaufwertung zu bieten.

Die Argumente für eine Zinsnormalisierung lägen auf der Hand. Die Wirtschaft im Euroraum wachse in diesem Jahr mit rund 2 Prozent. Der Ausblick bleibe günstig: Viele Stimmungsindikatoren würden zyklische Hochpunkte markieren oder sich in deren Nähe bewegen. Auch der Arbeitsmarkt spiele mit. Die Arbeitslosigkeit liege inzwischen unter ihrem langfristigen Durchschnitt, Tendenz weiter sinkend.

Darüber hinaus seien auch juristische Rahmenbedingungen zu beachten, wie die 33%-Grenze beim Ankauf von deutschen Bundesanleihen. Laufe das Rentenankaufprogramm weiter wie bisher, könnte diese Grenze bereits im Frühjahr 2018 erreicht sein, was die EZB zeitlich unter Druck setzen würde.

Auf der anderen Seite habe der europäische Süden eine Mehrheit im EZB-Rat, und diese Länder hätten es nicht eilig. Hier müsse Mario Draghi noch einige Überzeugungsarbeit leisten.

Wichtig sei auch das Signal der FED: Sie werde erst in rund 14 Tagen darlegen, ob und in welchem Umfang sie Anleihen aus ihrem Bestand wieder in den Markt gebe und ob im Dezember die Zinsen weiter steigen könnten. Nur wenn die FED entsprechende Signale sende - wovon die Analysten ausgehen würden - würden sich auch für die EZB größere Handlungsspielräume ergeben.

Heute habe sich Draghi festgelegt: Die EZB werde noch im Oktober über den Fortgang des Anleihekaufprogramms entscheiden. Die Kunst werde es sein, eine Zinsnormalisierung verbal einzuleiten, ohne eine weitere massive Aufwertung des Euro zu riskieren. (07.09.2017/alc/a/a)