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EZB-Zinsanhebung Ende 2018?


12.06.17 12:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In einer insgesamt datenarmen Woche stehen in der Eurozone in den kommenden Tagen die letzten Zahlen zur Inflationsentwicklung im Mai, Industrieproduktionsdaten (April) sowie Sentimentumfragen im Blickpunkt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Für die ZEW-Umfrage in der gesamten Eurozone erwarten die Analysten der RBI eine abermalige Stimmungsverbesserung. Die gute Stimmung, die derzeit von verschiedenen Sentimentindikatoren signalisiert werde, überzeichne jedoch die tatsächliche konjunkturelle Lage. Vor diesem Hintergrund würden die zur Veröffentlichung anstehenden Industrieproduktionszahlen für den Monat April Aufschluss darüber geben, ob sich diese seit einiger Zeit zu beobachtende Divergenz verringere. Auf Basis der bereits vorliegenden Länderergebnisse gehen die Analysten der RBI für die gesamte Eurozone von einem Zuwachs um 0,4% im Vormonatsvergleich aus. Die endgültige Inflation in der gesamten Währungsunion im Monat Mai würden sie gegenüber der bereits veröffentlichten Schnellschätzung unverändert erwarten. So dürften die Gesamtinflation bei 1,4% p.a. und die Kernrate bei 1,0% p.a. bestätigt werden. Besonders die Kernrate sei im Hinblick auf die geldpolitische Ausrichtung der EZB derzeit von besonderem Interesse, würden die Währungshüter den ausbleibenden breit angelegten Preisauftrieb doch an diesem Teuerungsmaß festmachen.

Vor diesem Hintergrund habe EZB-Präsident Draghi auch im Anschluss an die Zinssitzung vom 8. Juni die Notwendigkeit betont, die Anleihekäufe fortzusetzen, bis sich die Inflation nachhaltig in Richtung Notenbankziel bewege. Alles in allem seien die Anpassungen der offiziellen Wortwahl marginal ausgefallen und dürften am unteren Rand der allgemeinen Erwartungen gelegen haben. Zwar hätten die Währungshüter erwartungsgemäß die Risiken für den Konjunkturausblick nun als ausgeglichen beschrieben und den "easing bias" aus ihrer Wortwahl gestrichen. Auf der anderen Seite sei die Inflationsprognose (besonders für 2018) allerdings nach unten revidiert und einmal mehr auf das Fehlen eines Anziehens des allgemeinen Preisauftriebs verwiesen worden. Hinweise auf einen "Ausstiegsfahrplan" für das kommende Jahr seien hingegen nicht gegeben worden. Vielmehr habe Draghi am 08.06. abermals betont, dass die EZB bei Bedarf das Volumen und die Dauer der Anleihekäufe erhöhen bzw. verlängern könne, falls es die Wirtschaftsaussichten oder die Finanzmarktbedingungen erforderten.

In Summe fehlte aus Sicht der Analysten der RBI zwar jegliches Signal, dass die EZB auf absehbare Zeit daran denkt, ihre expansive Ausrichtung zurückzunehmen. Allerdings würden die Analysten bei ihrer Meinung bleiben, dass die Anleihekäufe ab Anfang 2018 graduell reduziert würden und Ende 2018 eine erste Zinsanhebung erfolge, auch wenn dieses Mal die Anpassung der Wortwahl noch sehr zögerlich ausgefallen sei. (Ausgabe vom 09.06.2017) (12.06.2017/alc/a/a)