EZB: Wollen zwei hochrangige Notenbanker den Markt auf eine Leitzinssenkung einstimmen?


09.11.20 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach einer ereignisreichen Woche wird es in der Eurozone in den kommenden Tagen etwas ruhiger, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Am Datenkalender stechen mit den ZEW-Indices und dem sentix-Index die ersten Stimmungsumfragen für den Monat November hervor. Nach Meinung der Analysten der RBI dürfte die aktuelle Situation nicht besser eingeschätzt werden als zuvor. Die jüngste Entwicklung der Corona-Fallzahlen und die damit einhergehenden neuerlichen wirtschaftlichen Beschränkungen sollten zudem die Zukunftsaussichten belasten. Des Weiteren würden Zahlen zur Industrieproduktion im Monat September bekannt gegeben.

In Italien dürfte nach dem steilen Rebound, der die Produktionsleistung über das Vor-Corona Niveau geführt habe, eine Verschnaufpause anstehen. Da auch in Irland ein starker Rückgang der Produktionsleistung im Vergleich zum Vormonat verbucht worden sei, würden die Analysten der RBI in der Eurozone trotz positiver Signale der Industrieumfragen mit einem nur kleinen Plus des Outputs im Vergleich zum Augustwert rechnen. Die anstehende Veröffentlichung von BIP-Ergebnissen für das dritte Quartal durch Eurostat sollte vorliegende Schnellschätzungen (Eurozone, alle großen Länder, Österreich, etc.) bestätigen und die meisten noch fehlenden Länderdaten ausweisen.

In der abgelaufenen Woche sei angesichts der vielen US-Schlagzeilen aus den USA den Wortmeldungen einzelner EZB-Ratsmitglieder fast zu wenig Beachtung geschenkt worden. Mit Schnabel und Weidmann hätten zwei deutsche Vertreter klargestellt, dass bei der laufenden Überprüfung des Maßnahmenmix auch die Option Zinssenkung durchgespielt werde. Es stelle sich somit die Frage, ob die beiden hochrangigen Notenbanker den Markt auf eine Leitzinssenkung einstimmen möchten. Die anstehende Neukalibrierung werde sich sicher über eine Vielzahl der Instrumente erstrecken.

Allerdings wollen wir nicht so recht glauben, dass das Zinsinstrument über die Variation der Leitzinsen nachgeschärft wird, so die Analysten der RBI. Immerhin verfüge die Notenbank nunmehr durch die bedingten Abschläge bei Ausleihungen (TLTROs) und Freibeträge bei Einlagen (Stufenzins) über feinere Steuerungsmechanismen. Die Analysten der RBI seien der Meinung, dass eher an diesen Stellschrauben gedreht werde (Verlängerung des Zinsabschlags auf TLTROs bis Jahresende, Erhöhung des Freibetrags). Auch am Markt seien die Wortmeldungen bisher verhallt, die Euribor-Sätze und am Markt gepreisten Zinserwartungen seien sogar marginal angestiegen. Dennoch gilt es für uns und die Marktteilnehmer die kommenden Wortmeldungen von Notenbanker genau zu analysieren, ob der EZB-Rat doch die Absicht einer Leitzinssenkung hegt, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 06.11.2020) (09.11.2020/alc/a/a)





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