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EZB in Warteposition


06.06.18 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der kommenden Woche finden die Notenbanksitzungen in den USA und der Eurozone statt, berichten die Analysten der Helaba.

Während die FED-Vertreter bis dahin wohl nicht mehr zu der geldpolitischen Perspektive Stellung nehmen würden, seien heute noch einige Redebeiträge von EZB-Vertretern im Kalender zu finden. Insbesondere die Einschätzungen von Peter Praet, dem EZB-Chefvolkswirt, könnten dabei von Interesse sein. Stelle sich doch die Frage, ob der jüngste Anstieg der Inflation dazu genutzt werde, Signale für die Beendigung des QE-Programms zu geben.

Die Marktturbulenzen aufgrund der italienischen Regierungsbildung Ende Mai seien dabei ebenso ins Kalkül zu ziehen, wie der Handelskonflikt mit den USA und der Anfang nächsten Jahres anstehende "Brexit" sowie die per Saldo schwächer ausgefallenen realwirtschaftlichen Daten und Stimmungsindikatoren der letzten Monate. Es dürfte eine Gratwanderung sein, in der kommenden Woche die verschiedenen Einflussfaktoren und Risiken gegeneinander abzuwägen.

Da EZB-Chef Mario Draghi und die Mehrheit des EZB-Rates nicht gerade für eine "hawkische" Grundeinstellung bekannt sind, gehen die Analysten der Helaba eher von einer zögerlichen und abwartenden Haltung aus. Sabine Lautenschläger habe gleichwohl auf die Möglichkeit verwiesen, dass schon in diesem Monat ein Signal für das QE-Ende bis zum Schluss des Jahres gegeben werden könnte. Peter Praet könnte heute für mehr Klarheit sorgen.

Neben den gesamtwirtschaftlichen Themen würden auch die Beiträge von Mitgliedern der EZB-Bankenaufsicht (Ignazio Angeloni, Pentii Hakkarainen) auf Interesse stoßen. Vor dem Hintergrund des Konfliktkurses der neuen italienischen Regierung gegenüber den europäischen Institutionen seien Fortschritte bei Banken- und Kapitalmarktunion kaum denkbar.

Die USA würden derweil weiterhin über ihre Verhältnisse leben, was im strukturellen Außenhandelsdefizit zum Ausdruck komme. Mit dem Märzwert habe sich der Fehlbetrag zwar schon gegenüber dem Winter deutlich verringert, die Entwicklung habe sich im April aber nicht fortgesetzt. Das Defizit der Warenbilanz liege vorläufigen Daten zufolge bei 68,2 Mrd. USD und damit etwa auf dem Niveau des Monats März. Daher erscheine die Konsensschätzung eines Gesamtfehlbetrages von unverändert 49 Mrd. USD realistisch. Auch aufgrund der ab Juni höheren Importzölle auf europäische Stahlprodukte habe der Import der Produkte aus Europa jüngst zugenommen. Mit den April- und Maidaten könnte sich dies noch fortsetzen. Wegen des geringen Anteils an den Gesamtimporten dürfte ein "Handelsbilanzwunder" aber wohl ausbleiben. (06.06.2018/alc/a/a)