Erweiterte Funktionen

EZB: Warten auf die Oktober-Ratssitzung


08.09.17 09:00
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat gestern erwartungsgemäß noch keine neuen geldpolitischen Weichenstellungen vorgenommen, sondern dieses Thema auf die Sitzung am 26. Oktober vertagt, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die "forward guidance" der EZB sei im Kern unverändert geblieben: Es werde weiterhin davon ausgegangen, dass "für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten die Leitzinsen auf ihrem aktuellen Niveau bleiben" würden. Der Nettoerwerb von Vermögenswerten (aktuell monatlich 60 Mrd. EUR) solle bis Ende Dezember 2017 oder erforderlichenfalls darüber hinaus erfolgen und auf jeden Fall so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkenne, die mit dem Notenbankziel (von "nahe, aber unter 2%") im Einklang stehe.

Erneut sei betont worden, dass neben dem Nettoerwerb von Vermögenswerten parallel die Reinvestition der Tilgungszahlungen erfolge. Zudem sei herausgestrichen worden, dass es weiterhin eines erheblichen Grades an geldpolitischer Akkommodierung bedürfe, damit sich Druck auf die Kerninflation aufbaue und die Gesamtinflation auf mittlere Sicht gestützt werde.

Die Analysten würden weiterhin davon ausgehen, dass die EZB auf ihrer Oktober-Sitzung die Entscheidung falle, das QE Programm ab dem Jahresbeginn 2018 auf 40 Mrd. EUR zu reduzieren. Mit dem Beginn des 4. Quartals 2018 dürfte dann das gesamte QE-Programm beendet werden. Mit Leitzinserhöhungen würden die Analysten weder in 2017 noch in 2018 rechnen.

Bei den von den Experten des Eurosystems erstellten gesamtwirtschaftlichen Projektionen für das Euro-Währungsgebiet sei die Prognose für die Jahresrate der Inflation von 1,5% für 2017 unverändert belassen, aber der Ausblick für 2018 und 2019 um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 1,2% bzw. 1,5% abgesenkt worden. Die BIP-Prognose für 2017 sei um 0,3 Prozentpunktepunkte auf 2,2% gg. Vj. angehoben worden. Die Erwartungen für 2018 und 2019 seien konstant gelassen worden (erwartetes BIP-Plus 1,8% bzw. 1,7%).

EZB-Präsident Mario Draghi habe auf der Pressekonferenz betont, dass man die Wechselkurse und ihren Einfluss auf die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum im Blick behalten müsse. Mit der Äußerung, wonach die Wechselkursentwicklung keine Zielgröße der EZB sei, wenngleich diese deutliche Implikationen für die Inflations- und Wachstumsentwicklung nach sich ziehen könne, habe Mario Draghi das Festsetzen des Euro zum US-Dollar auf Werte jenseits der Marke 1,20 USD nicht verhindern können. Auch die überraschende Einigung im US-Haushaltsstreit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Kongress mit einer Zwischenfinanzierung bis zum 15. Dezember 2017 habe den weiteren Höhenflug des Euro auf Werte von gut 1,2050 USD nicht stoppen können. Der Euro dürfte nun die Handelswoche mit Kursen jenseits von 1,20 USD beenden. (08.09.2017/alc/a/a)