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EZB: Wait-and-see policy


02.03.18 13:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der zweiten Sitzung des EZB-Rats in diesem Jahr gilt es, die Ausgangslage für die Geldpolitik zu analysieren, berichten die Analysten der Helaba.

Die Geldmengenentwicklung in der Eurozone sei zuletzt in ruhigen Bahnen verlaufen. Die M3-Jahresrate habe im Januar bei 4,6% verharrt, was nahe am Mittel der letzten drei Jahre liege. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor habe sich mit 3,1% etwas dynamischer gezeigt als zuvor. Das anhaltend hohe Wachstum der bargeldnahen Geldmenge M1 von zuletzt 8,9% weise zudem auf eine ausreichend komfortable Liquiditätsversorgung für die Euro-Volkswirtschaft hin.

Der leichte Rückgang der Euro-Teuerung im Februar von 1,3% auf 1,2% sei zwar aus EZB-Sicht unerfreulich, zumal damit immer Fragen nach der Wirksamkeit der Geldpolitik verbunden würden. Die "Schwächephase" bei der Inflation sei aufgrund der absehbaren Basiseffekte jedoch erwartet worden. Die EZB habe in ihren Dezember-Projektionen das Tief im ersten Quartal 2018 auf 1,3% geschätzt. Grund für die leichte Abweichung sei vermutlich der deutliche Anstieg des Euro/US-Dollar-Kurses. Bei den nun anstehenden EZB-Projektionen sei zwar mit tendenziell leicht höheren Wachstums- und Inflationsprognosen zu rechnen, die jüngste Währungs- und Inflationsentwicklung spreche jedoch gegen ein verändertes Wording des EZB-Rats.

Wie sehe es im politischen Umfeld aus? Die anstehenden Parlamentswahlen in Italien hätten an den Finanzmärkten zuletzt kaum Unruhe aufgekommen lassen. Ganz im Gegenteil: Die Risikoaufschläge 10-jähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bunds befänden sich seit einem Jahr im Abwärtstrend. Noch deutlicher falle die Spreadeinengung u.a. bei spanischen und französischen Bonds aus. Damit nähere sich die EZB einem impliziten Ziel ihrer Geldpolitik: Die Harmonisierung der Kapitalmarktzinsen im Euroraum als (vermeintliche) Klammer für den Bestand der Währungsunion.

Da zu einem Spread immer zwei gehören würden, spiele die Entwicklung in Deutschland ebenfalls eine zunehmend bedeutende Rolle. Die Investoren hätten darauf gesetzt, dass die SPD-Basis für eine Koalition mit der Union stimme und damit Bewegung in die Verhandlungen über EU-Reformen (Europäischer Währungsfonds, Einlagensicherung, Steuerharmonisierung, Sozialunion, gemeinsamer europäischer Haushalt, etc.) komme. Dabei weise der Plan, den der französische Präsident vorgebe, in Richtung Ausbau einer Haftungsunion. Als Fundament solle vor allem die stabile ökonomische Basis Deutschlands dienen. Je mehr sich Frankreich damit durchsetze, desto höher dürfte auch der deutsche Kapitalmarktzins ansteigen. Dies sei auch aus einem anderen Grund wahrscheinlich. Die angedachten Reformen würden die EZB bei der Verteidigung der Währungsunion spürbar entlasten. Der Spielraum für eine weniger extreme Geldpolitik ohne Negativzinsen wäre größer. (02.03.2018/alc/a/a)