Erweiterte Funktionen

EZB: Verlängerung des PEPP bis Ende 2021 erwartet


02.11.20 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die EZB beließ zwar auf ihrer Zinssitzung in der abgelaufenen Woche den Maßnahmenmix unverändert, stellte aber klar, dass zum nächsten Termin Anfang Dezember neue Beschlüsse zur Kalibrierung der Geldpolitik anstehen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

EZB-Präsidentin Lagarde habe dabei mehrmals betont, dass man sich nicht auf nur eine Maßnahme beschränken werde, sondern eine Justierung des Gesamtpakets anstehe. Die Analysten der RBI würden mit einer Verlängerung des PEPP bis Ende 2021 mit einem monatlichen Kaufvolumen von 80 bis 100 Mrd. EUR rechnen (Aufstockung des Gesamtvolumens um 480 bis 600 Mrd. EUR). Zudem dürfte bei den TLTROs der aktuelle Zinsabschlag von 50 Basispunkten verlängert werden und es könnten zusätzliche Refinanzierungsgeschäfte dieser oder ähnlicher Art angeboten werden. In Summe würden die kommenden Beschlüsse im Dezember darauf ausgerichtet sein, die Benchmarkzinsen (Euribor Sätze, Swapsätze, Renditen für deutsche Staatsanleihen) und Risikoaufschläge auf dem aktuell niedrigen Niveau zu verankern. Wir haben daher unsere Prognosen für die Euribor-Sätze ein wenig nach unten gezogen, so die Analysten der RBI.

Mit der Veröffentlichung der BIP-Zahlen für das dritte Quartal 2020 hätten die Analysten der RBI ihre Wachstumsprognosen unter Revision gestellt. Sie hätten zwar mit einem deutlich stärkeren Rebound der Wirtschaftsaktivität als der Konsens gerechnet. Mit einem Plus von 12,7% p.q. sei aber der Zuwachs nochmals höher gewesen als angenommen. Somit ist klar, dass wir die Schätzungen für das Gesamtjahr 2020 nach oben revidiert werden (Eurozone auf zwischen -7,0 und -6,5%), so die Analysten der RBI.

Ihre Prognosen für das Jahr 2021 würden die Analysten der RBI dagegen weitgehend unverändert belassen. Immerhin hätten sich angesichts der steigenden COVID-19-Fallzahlen und der zunehmenden Geschäftsbeschränkungen die Wirtschaftsaussichten zuletzt stark eingetrübt. In einigen Ländern der Eurozone sei eine erneute Rezession in Q4 wahrscheinlich. Für die Währungsunion würden die Analysten der RBI für das Winterhalbjahr 2020/21 eine Stagnation ansetzen (mit heftigen Ausschlägen der Wirtschaftsaktivität in einzelnen Monaten), die ab dem Frühjahr von einer dynamischen Erholung abgelöst werden sollte. Letztes liege die Annahme zugrunde, dass bis spätestens Mitte 2021 eine Impfung gegen das Corona-Virus zur Verfügung stehe. In Summe liegen unsere Prognosen für die nächsten Monate und das Gesamtjahr 2021 deutlich unter dem Konsensus, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 30.10.2020) (02.11.2020/alc/a/a)