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EZB: Verhaltene Inflationserwartungen


09.09.20 09:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angesichts der nahenden EZB-Ratssitzung lohnt es den Blick auf die mittelfristigen Inflationserwartungen zu lenken, so die Analysten der Helaba.

Angesichts des jüngsten Strategiewechsels der US-Notenbank stelle sich die Frage, ob auch die EZB ein verändertes Ziel vor Augen habe. Die angekündigte Strategierevision der EZB dürfte anders als in den USA noch nicht vor dem Abschluss sein, der Druck sich bezüglich des Inflationsziels aber ebenfalls neu zu positionieren sei wegen der FED-Entscheidung jedoch enorm gestiegen. Ein symmetrisches Inflationsziel, wie jetzt bei der FED, sei schon vor längerem, noch unter EZB-Präsident Draghi in die Diskussion eingebracht worden. Allzu große Widerstände würden die Analysten daher im EZB-Rat nicht erwarten.

Während die neue FED-Strategie den Anstieg der US-Inflationserwartungen untermauert habe und sich diese zwischenzeitlich auf dem höchsten Niveau seit Sommer 2019 befunden hätten, sei der Anstieg der Inflationserwartungen in der Eurozone etwa vor einem Monat zum Erliegen gekommen und seitdem sogar rückläufig. Die Teuerung sei bisweilen schwach, ungeachtet des hohen Geldmengenwachstums und so seien mit dem zuletzt sichtbaren Schwungverlust der wirtschaftlichen Erholung die Sorgen vor einer niedrigen Inflationsrate wieder größer geworden. Die EZB sollte sich dessen bewusst sein und eher zu weiteren Aktivitäten neigen, die den Banken zugutekommen könnten, als zu lange zuzuwarten.

Marktseitig am auffälligsten sei gestern neben der Pfundschwäche wegen der Brexit-Angst das deutliche Abrutschen der Ölnotierungen gewesen, ein Faktor, der im laufenden Monat die Inflationsraten nochmals drücken könnte. Sorgen vor der sich verlangsamenden Konjunkturerholung in Asien seien als Argument genannt worden. Von diesen hätten sich auch die Aktienkurse beeinflussen lassen und generell hätten sich die Risikoprämien gestern wieder leicht ausgeweitet. Als sicher geltende Staatsanleihen wie Bunds und US-Treasuries seien dagegen vermehrt gesucht worden. (09.09.2020/alc/a/a)