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EZB: Strategieanpassung, zweiter Akt


16.07.21 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nachdem die EZB die veränderte Strategie vorgestellt hat, stellt sich die Frage, was sich beim Instrumenteneinsatz ändert, so die Analysten der Helaba.

Die nächste Sitzung des EZB-Rats werde einige Antworten geben.

Noch unter Mario Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet habe es geheißen: "The ECB is never pre-committed". Der EZB-Rat habe sich getroffen, die Lage analysiert und etwas beschlossen, ohne sich im Voraus festzulegen. Im Unterschied dazu gebe es seit acht Jahren einen in die Zukunft reichenden geldpolitischen Ausblick, die sogenannte Forward Guidance. Diese gebe die Absichten des EZB-Rates über die künftige Entwicklung der Leitzinsen und den Horizont der Kaufprogramme vor.

Aktuell würden die zentralen Aussagen gelten, dass die Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau verharren würden, bis sich die Inflationsaussichten im EZB-Projektionszeitraum deutlich dem Zielniveau annähern würden, und sich diese Angleichung in der Dynamik der zugrundeliegenden Inflation durchgängig widerspiegele. Des Weiteren sei festgelegt, dass das große Pandemiekaufprogramm PEPP im Volumen von 1,85 Billionen Euro bis Ende März 2022 und in jedem Fall so lange laufe, bis die Corona-Krise nach Einschätzung des EZB-Rats überstanden sei.

Christine Lagarde habe angekündigt, die Forward Guidance in der anstehenden Sitzung des EZB-Rats an die neue Strategie anzupassen. Möglicherweise werde damit die Grundlage geschaffen, dass der Ankauf von Anleihen auch nach dem März 2022 geräuschlos weitergehe - unter welchen Programmnamen dann auch immer. Nicht wenige Mitglieder des EZB-Rats würden sich so eine Regelung wünschen, um damit u.a. den EU-Fiskalpakt "Next-Generation" geldpolitisch abzusichern. Gebraucht werde zudem ein flexibles Instrument, um die Kapitalmärkte in Schach zu halten.

"Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist", könnte dabei ihr Motto sein. Die Öffentlichkeit habe mitbekommen, dass sich bei der EZB etwas geändert habe. Angesichts der Komplexität der modernen Notenbankpolitik würden die meisten Menschen aber die Unterscheidung zwischen symmetrischem und asymmetrischem Inflationsziel bzw. von nahe 2% und genau 2% ohnehin eher achselzuckend wahrgenommen haben. Weitere Umbauarbeiten des EZB-Rats dürften nunmehr als Konsequenz der Strategieänderung gesehen werden, was eine Ausdehnung des geldpolitischen Handlungsspielraums etwas einfacher mache. Die EZB wisse, dass eine Fortsetzung der seit Beginn der Pandemie extrem lockeren Geldpolitik nicht nur vom Bundesverfassungsgericht mit großer Skepsis betrachtet werde. (16.07.2021/alc/a/a)