EZB-Sitzung ohne neue Beschlüsse - Markt interpretiert "dovish"


13.09.17 10:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Am Donnerstag vergangener Woche ereignete sich zwar - wie erwartet - keine Kursänderung der EZB-Geldpolitik, allerdings haben die Märkte aus der Nicht-Handlung ebenso ihre Schlüsse gezogen, so Mario Gruppe, CIIA, und Thomas Scholz von der Nord LB.

Allenthalben seien die Statements als "dovish" eingeschätzt worden, weswegen die Renditen entsprechend gesunken seien. Vonseiten Mario Draghis sei nach einer entsprechenden Nachfrage deutlich auf den Oktober-Termin als das Datum verwiesen worden, an dem Näheres zu der künftigen Notenbankpolitik veröffentlicht werde. Inwiefern die Informationen bereits spezifisch z.B. einen möglichen Ausstiegspfad aus den Wertpapierkäufen enthalten würden, sei allerdings fraglich.

Für diese Unsicherheit sei in erster Linie die aktuelle Situation an den Devisenmärkten von Relevanz, da der Euro mit rund 1,20 (EUR/USD) so hoch wie seit Februar 2015 nicht mehr stehe. Die Eurostärke sei aus Sicht der Notenbanker eher als Unsicherheit einzustufen, da sie die Preise für Importgüter aus US-Sicht verteuern und somit die Exportwirtschaft der Eurozone belasten könnten.

Weil in der Regel Inflation in einem prosperierenden Wirtschaftsumfeld anziehe, sei der Wechselkurs für Draghi interessant, wenngleich die EZB nach wie vor kein Mandat im Sinne einer allgemeinen Wirtschaftsförderung innehabe. Als einziges Ziel (im Gegensatz zur FED) sei nach wie vor die Preisstabilität vorgegeben. Eine deutliche Äußerung in Richtung eines QE-Exits hingegen hätte die Märkte aus Sicht der Notenbanker möglicherweise unvorbereitet getroffen. Von der Oktobersitzung erwarte man sich dennoch erste handfeste Hinweise, wie mit den Wertpapierkäufen weiter verfahren werde, und gehe bis Ende des Jahres 2017 von einer ersten Reduktion der Ankaufhöhe aus, die aber aus genannten Gründen nicht sehr stark ausfallen dürfte.

In diesem Marktumfeld habe der iBoxx SSA (total) leicht positiv auf die Nicht-Ankündigung reagiert. Insgesamt habe der Index die Verluste infolge der (über)interpretierten Sintra Rede Mario Draghis im Laufe des letzten Monats wieder wettmachen können. YTD stehe der Index dennoch nur bei einem Return von 0,39% auf Total Return Index Level Basis. Die Analysten der Nord LB gehen insgesamt davon aus, dass der Index im Zuge eines konkreten QE-Exit Fahrplans unter Druck geraten könnte, da einige Indexmitglieder von den nationalen Notenbanken angekauft werden. Die Spreads hätten sich insbesondere bei den großen Agencies deutlich stärker eingeengt, als bei kleineren nationalen Agencies, die wiederum oftmals nicht von den nationalen Notenbanken angekauft würden.

Gestern habe das Land Niedersachsen Banken mandatiert um eine neue 6-jährige Landesschatzanweisung zu managen. Der Bond werde im Benchmarkformat begeben (EUR 500 Mio.) und üblicherweise heute an den Markt kommen und gepriced werden.

Die European Investment Bank (EIB) habe gestern ein Bankkonsortium für eine EUR-Benchmarkanleihe über sechs Jahre mandatiert. Bookbuildingprozess und Pricing würden heute durchgeführt.

Die französische Agency Agence Française de Développement (AFD) habe in der letzten Woche eine USD-Anleihe begeben, die die größte seit 2015 darstelle. Die AFD habe in dieser Transaktion USD 1,25 Mrd. für drei Jahre eingesammelt. Das Pricing sei bei ms +34 Bp festgesetzt worden.

Die Abwicklungsanstalt der ehemaligen Hypo Real Estate habe gestern einen Benchmarkbond (EUR 1,5 Mrd.) über drei Jahre begeben. Das IPT habe bei ms -25 Bp area gelegen und letztlich um 2 Bp auf ms -27 Bp beim Final-Pricing hineingezogen werden können. Die Nachfrage sei folglich gut gewesen, das Orderbuch habe letztlich bei knapp EUR 2,1 Mrd. gelegen.

Die letzte Woche habe nicht mit der starken Vorwoche mithalten können, was die Primärmarktaktivität in EUR-Benchmarks angehe. Seien in der letzten Woche noch EUR 8,5 Mrd. platziert worden, seien es in der aktuellen Woche lediglich EUR 2 Mrd. Der Green Bond (ISIN DE000NWB0AE6 / WKN NWB0AE) (Social Housing) der NRW-Bank sei ordentlich vom Markt absorbiert worden, wenngleich die Überzeichnung mit rund 1,2 nicht übermäßig hoch ausgefallen sei. Es habe sich hierbei um einen no-grow Deal gehandelt, sodass die Investoren die Booksize entsprechend antizipiert hätten. Der Pricingprozess sei bei ms -15 Bp gestartet worden, das finale Pricing habe bei ms -16 Bp gelegen. Zusätzlich plane die Bank Nederlandse Gemeenten (BNG) ihren Bond 06/2027 (ISIN XS1632891138 / WKN A19JS5) zu tappen.

Auch aus Tradingperspektive sei der Bond der NRW Bank (EUR 500 Mio. bei ms -16 Bp begeben) gut vom Markt aufgenommen worden. Im Sekundärmarkt insgesamt seien lediglich verhaltene Umsätze zu verzeichnen gewesen. In den meisten Länderanleihen sei das Material mittlerweile knapp geworden, insofern seien die Spreads nach wie vor stabil. Ebenso verhalte sich das Spreadniveau bei den kanadischen Regionen. (13.09.2017/alc/a/a)





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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000NWB0AE6 NWB0AE 98,89 € 97,91 €
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