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EZB-Sitzung: Wird das Tempo der PEPP-Käufe wieder gesenkt?


10.06.21 09:30
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die große Frage der EZB-Sitzung im Juni ist, ob das Tempo der PEPP-Käufe, das nach der Sitzung im März erhöht wurde, wieder gesenkt wird, so Willem Verhagen, Senior Economist bei NN Investment Partners.

Die damalige Entscheidung sei von der Notwendigkeit getrieben gewesen, den Aufwärtsdruck auf die EWU-Renditen zu dämpfen, den die Reflationserwartungen in den USA verursacht hätten. Auch in diesem Quartal seien die EWU-Renditen weiter angestiegen. Aber dieses Mal sei der Hauptgrund eine Verbesserung der europäischen nominalen Wachstumserwartungen gewesen, weshalb die EZB wahrscheinlich dazu geschwiegen habe. Hinter diesem Schweigen verberge sich eine tiefe Meinungsverschiedenheit zwischen den "Falken" und den "Tauben". Erstere würden einen Anstieg der realen Renditen aufgrund der verbesserten Aussichten begrüßen und würden das Kaufprogramm gerne so schnell wie möglich beenden.

Demgegenüber würden die gemäßigten Stimmen der "Tauben" es vorziehen, alle nominalen Renditekurven niedrig und flach zu halten, bis es substanzielle Fortschritte in Richtung des Inflationsziels der EZB gebe. Um dies zu erreichen, würden sie gerne einen beträchtlichen Teil der in das PEPP eingebauten Flexibilität beibehalten (in Bezug auf die Möglichkeit, vorübergehend vom Kapitalschlüssel abzuweichen, sowie Emittenten- und Emissionslimits).

Grundsätzlich bedeute diese Meinungsverschiedenheit, dass es schwer sei, die Entscheidung über das Tempo der PEPP-Käufe vorherzusagen. Dennoch hätten die EZB-Ratsmitglieder, die eher der Mitte zugeordnet werden könnten, zuletzt signalisiert, dass das Grundtempo im dritten Quartal beibehalten werden könnte, was sich beruhigend auf die EWU-Renditen ausgewirkt habe. Der Grund für die Andeutung eines gleichbleibenden Tempos könnte sein, dass die EZB im Frühherbst das Ergebnis ihrer strategischen Überprüfung bekannt geben werde. Diese Überprüfung werde wahrscheinlich Änderungen des Inflationsziels sowie der Instrumente, die der EZB zur Erreichung dieses Ziels zur Verfügung stünden, mit sich bringen.

Vor Abschluss der Überprüfung sei es für die EZB sehr schwierig, dem Markt einen klaren Hinweis für die Erwartungen an die zukünftige Geldpolitik zu geben. In dieser Hinsicht bestehe ein erhebliches Risiko, dass eine Verringerung des Tempos der PEPP-Käufe vor diesem Zeitpunkt als falkenhaftes Signal gewertet werde, das dann zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen könnte. (Ausgabe vom 09.06.2021) (10.06.2021/alc/a/a)