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EZB-Sitzung: "Wir erwarten, dass eine mehrdeutige EZB auf Zeit spielen wird"


04.09.17 12:15
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei einer gesunden Wirtschaft einerseits und einem steigenden Euro andererseits möchte die Europäische Zentralbank (EZB) mit Bezug auf den Start des Tapering flexibel bleiben, so Franck Dixmier, Globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors, im Vorfeld der EZB-Sitzung am 7. September 2017.

Hinzu komme eine EZB-interne Debatte darüber, wie der Einstieg in den Ausstieg aus den Anleihen-Kaufprogramme verkündet werden solle. Die Zentralbank dürfte daher in ihrer Kommunikation zunächst vage bleiben.

Im Vorfeld ihrer Sitzung am 7. September stehe die Europäische Zentralbank vor einer schwierigen Gemengelage. Dies stelle sie mit Blick auf die Lenkung von Markterwartungen (Forward Guidance) vor große Herausforderungen. Einerseits sei eine gesunde Wirtschaft mit über den Erwartungen liegenden Wachstums- und Inflationsraten ein klares Argument für die EZB, ihre Anleihenkäufe zu reduzieren. Andererseits spreche die jüngste Aufwertung des Euro - die eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen impliziere - dafür, die akkommodierende Geldpolitik noch einige Zeit beizubehalten.

Vor diesem Hintergrund dürfte die EZB zurückhaltender in der Kommunikation sein, als der Markt erwarte. Dies wiederum unterstreiche den Spielraum, den die EZB bei der bevorstehenden Normalisierung ihrer Geldpolitik besitze. Die Anleger sollten nicht überrascht sein, wenn die EZB eine Verlängerung ihrer Kaufprogramme ins Jahr 2018 ankündige und erst im Verlauf des nächsten Jahres mit dem Tapering beginne - und dabei gleichzeitig offen lasse, wie sie letzteres angehen möchte.

Innerhalb des EZB-Rats gebe es eine Debatte zwischen den Befürwortern einer planmäßigen Reduzierung des Asset-Käufe und den Proponenten einer flexibleren Vorgehensweise, die das Tapering mit dem Wirtschaftsausblick verbinde. Die Experten würden daher erwarten, dass die Bank erst zu einem späteren Zeitpunkt über ihre Vorgehensweise entscheiden werde. Bis dahin könne sie sich ein genaueres Bild von der Wirtschafts- und Finanzentwicklung verschaffen.

Die Steuerung des Euro-Wechselkurses gehöre zwar nicht zu den Hoheitsaufgaben der EZB. Angesichts der Bedeutung der Wechselkurse für den monetären Übertragungsmechanismus werde die EZB allerdings mit Blick auf ihre Zinserhöhungspläne vage bleiben. Gleichzeitig dürfte sie unmissverständlich klarmachen, dass in naher Zukunft keine Zinserhöhungen auf der Tagesordnung stünden.

Was die künftige Normalisierung der Geldpolitik anbelange, so würden zwei Faktoren der EZB helfen, den Aufwärtstrend des Euro in Schach zu halten: Erstens, Flexibilität bei der Durchführung des Tapering und mit Bezug auf Zeitpunkt und Ausmaß künftiger Zinserhöhungen. Zweitens, das Aufrechterhalten einer gewissen Unsicherheit über ihre Maßnahmen. Ein wichtiger Parameter hierbei sei auch der Spielraum der US-Notenbank bei ihren Zinserhöhung - an den diese regelmäßig erinnere. Sollte sich die FED weiter mit Zinserhöhungen zurückhalten, dürfte sich der US-Dollar weiter abschwächen. Eine stärker gleichgerichtete Geldpolitik im Euroraum und den USA würde dagegen dazu beitragen, die Wechselkursveränderungen zu glätten. Alles in allem sei es für die EZB daher wichtig, auf Zeit zu spielen, indem sie ihre Intentionen nicht eindeutig darlege. (04.09.2017/alc/a/a)