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EZB-Sitzung: Große Ernüchterung nach hohen Erwartungen


22.07.21 15:30
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die Erwartungen an die EZB-Sitzung am heutigen Donnerstag waren hoch, so Thomas Bergmann vom Online-Anlegermagazin "Der Aktionär".

Doch nach der Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde sei die Ernüchterung groß. Die Notenbanker würden wie erwartet die Schleußen offen halten, die Risiken für den Wachstumsausblick des Euroraums würden sie weiterhin als weitgehend ausgewogen betrachten. Der DAX gebe einen Teil der Gewinne wieder ab.

Laut EZB-Chefin Lagarde habe der Rat die neue Zins-Guidance mit "überwältigender" Mehrheit beschlossen. Man gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft des Euroraums im zweiten Quartal erholt habe und im dritten Quartal stark wachsen werde. Zu den Wachstumsrisiken würden laut Lagarde unter anderem die Delta-Variante des Coronavirus und die Möglichkeit zählen, dass die Zulieferprobleme in der Industrie länger anhielten.

In ihren geldpolitischen Beschlüssen habe die EZB zuvor die Zins-Guidance dem neuen Inflationsziel angepasst, das glatt zwei Prozent mit der Möglichkeit einer zeitweisen Überschreitung vorsehe. Die Modalitäten der Wertpapierkaufprogramme APP und PEPP habe der EEZB-RAT ebenso bestätigt wie das Niveau der Leitzinsen.

Anfang Juli habe die EZB nach monatelanger Arbeit ihre neue geldpolitische Strategie skizziert. Deren wichtigstes Element sei neben dem Inflationsziel von glatt zwei Prozent die Aussage, dass die EZB an der Zinsuntergrenze (wenn sie etwa aus Gründen der Finanzstabilität zögere, die Zinsen weiter zu senken) besonders "kraftvoll oder hartnäckig" agieren und dabei auch ein zeitweises Überschießen der Inflation zulassen werde.

Die als sehr bedeutsam gepriesene EZB-Sitzung sei mehr oder weniger ein Non-Event. Die Marktteilnehmer dürften schnell zur Tagesordnung übergehen und vielmehr die Berichtssaison sowie die Corona-Situation mit Argusaugen beobachten. Kurse um 15.500 seien für den empfohlenen Inline-Optionsschein Gold wert - der Schein liege bereits 20 Prozent im Plus. (22.07.2021/alc/a/a)