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EZB-Sitzung Anfang Dezember: Der geldpolitische Maßnahmenmix wird neu kalibriert


16.11.20 11:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der laufenden Woche bleibt der Datenkalender der Eurozone weitgehend leer, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Schnellschätzung des Konsumentenvertrauens werde angesichts der steigenden Covid-Fallzahlen und der immer stärkeren wirtschaftlichen Beschränkungen sicherlich eine merkliche Eintrübung der Stimmung ausweisen.

In der abgelaufenen Woche habe das EZB-Forum zum Zentralbankwesen im Fokus gestanden, welches dieses Jahr nicht in Sintra sondern virtuell abgehalten worden sei. Bei dieser Zusammenkunft hochrangiger Vertreter diverser Notenbanken hätten in der Vergangenheit immer wieder wichtige Aufschlüsse zum weiteren Werdegang der Geldpolitik gewonnen werden können.

In ihrer Rede habe EZB-Präsidentin Lagarde hervorgestrichen, dass angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen im Verbund mit der Corona-Krise die aktuell günstigen Finanzierungsbedingungen (Zinsniveau, Verfügbarkeit) für längere Zeit sichergestellt werden müssten. Sie habe betont, dass die Notenbank dabei die Finanzierungskonditionen aller Wirtschaftssektoren im Auge behalte. Neben Unternehmen und privaten Haushalten seien auch der Bankensektor und insbesondere der öffentliche Sektor erwähnt worden. Aus Sicht Lagardes komme den beiden Letztgenannten entscheidende Bedeutung zu, um die gewünschten expansiven Impulse der Geldpolitik in die Privatwirtschaft zu tragen. Einmal mehr habe sie das aktuelle Zusammenspiel aus Geld- und Fiskalpolitik zum Thema gemacht und die, ihrer Ansicht nach gegebene, Notwendigkeit dieser Interaktion in der Corona-Krise unterstrichen.

Wie bereits bekannt, werde auf der EZB-Sitzung Anfang Dezember der geldpolitische Maßnahmenmix neu kalibriert. Zwar stehe die Anpassung aller Instrumente zur Disposition. Die EZB-Präsidentin habe aber erneut eine starke Präferenz durchblicken lassen, die Marktbedingungen vor allem über die TLTROs und den PEPP zu gestalten. Berücksichtige man zudem ihre Ausführungen, so gehen werde davon aus, dass eine Verlängerung (Aufstockung) des PEPP bis zumindest Jahresende beschlossen werde (monatliches Volumen in H2 von EUR 80 bis 100 Mrd.). Zudem dürfte bei den TLTROs der Zinsabschlag bis Ende 2021 zur Anwendung kommen (Laufzeit bislang bis Mitte 2021) und es könnten weitere dieser Refinanzierungsgeschäfte (mit möglicherwiese etwas anderen Bedingungen) angeboten werden.

Die Option Leitzinssenkung - zuletzt von einigen Ratsmitgliedern in den Vordergrund gerückt - erscheine den Analysten der RBI nach dem Auftritt von Lagarde eher unwahrscheinlich. Passend zu unserer Lesart, wurden am Markt in den letzten Tagen die Zinssenkungserwartungen etwas zurückgeschraubt, so die Analysten der RBI. Die generelle Aufwärtsbewegung der Renditen für deutsche Staatsanleihen und die Versteilung der Renditekurve sei sicher den positiven Nachrichten zur Impfstoffentwicklung und der damit verbundenen Hoffnung auf eine mittelfristige Wirtschaftserholung geschuldet. Die signalisierte Ausrichtung der Geldpolitik werde dagegen anhaltend dämpfend auf das Renditeniveau wirken. (Ausgabe vom 13.11.2020) (16.11.2020/alc/a/a)