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EZB-Ratssitzung kommende Woche im Fokus


01.09.17 15:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Mario Draghi hat die Gelegenheit, auf der internationalen Notenbankkonferenz in Jackson Hole Ende August neue Hinweise zur zukünftigen Geldpolitik für die Eurozone zu geben, ungenutzt verstreichen lassen, so die Analysten von Postbank Research.

Alle Augen würden sich damit auf die in der Berichtswoche anstehende EZB-Ratssitzung (Do., 07.09., 13:45 Uhr) mit anschließender Pressekonferenz richten. Zuletzt hätten sich unter Marktbeobachtern Befürchtungen breit gemacht, dass die EZB sich besorgt hinsichtlich der jüngsten Euro-Aufwertung zeigen und den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik langsamer als bislang erwartet vorantreiben könnte. Dies beträfe insbesondere den Fortgang des aktuell bis Dezember dieses Jahres laufenden Anleiheankaufprogramms, über den die Währungshüter im Herbst eine Entscheidung treffen müssten.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass der EZB-Rat zunächst lediglich eine Verringerung des derzeitigen Ankaufvolumens von 60 Mrd. Euro pro Monat ab Januar 2018 in Aussicht stellen werde. Das konkrete neue Volumen sowie die neue (Mindest-)Laufzeit dürfte er aber erst auf der Sitzung im Oktober beschließen, womit die Währungshüter sich noch etwas Zeit kaufen könnten, die weitere Entwicklung des Euro sowie der nach wie vor nicht überzeugenden Inflationsdynamik in der Eurozone abzuwarten.

Für die Ausgestaltung des QE-Programms ab Januar 2018 würden die Analysten aus heutiger Perspektive grundsätzlich zwei Varianten für denkbar halten: In einer zügigen Variante könnte die EZB die Ankäufe ab Januar auf 40 und ab April auf 20 Mrd. Euro pro Monat reduzieren und das Programm bereits im Juni 2018 beenden. Die langsamere Alternative sähe Ankäufe in Höhe von 40 Mrd. von Januar bis Juni und in Höhe von 20 Mrd. Euro pro Monat im gesamten 2. Halbjahr mit Ende des Programms zum Jahresende 2018 vor. Da das QE-Programm in jedem Fall bis weit ins kommende Jahr hinein laufen dürfte, sei eine Leitzinsanhebung weiterhin frühestens Ende 2018 / Anfang 2019 zu erwarten. (01.09.2017/alc/a/a)