Erweiterte Funktionen

EZB-Ratssitzung: Von einem Anziehen der geldpolitischen Zügel kann keine Rede sein


08.06.17 16:21
Aberdeen Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Wer hätte etwas Anderes erwarten können? Von einem Anziehen der geldpolitischen Zügel kann keine Rede sein, nicht mal die Wortwahl wurde nennenswert verändert, so Wolfgang Kuhn, Head of Pan European Fixed Income bei Aberdeen Asset Management, in einem Kommentar zu den Ergebnissen der heutigen EZB-Ratssitzung.

Lediglich Zinssenkungen könne man sich wohl nicht mehr vorstellen. Dass Hauspreise in der ganzen Eurozone kräftig anziehen würden, wie im jüngsten EZB-Bericht zur Finanzstabilität beschrieben, scheine für das Preisstabilitätsmandat der EZB keine Relevanz zu besitzen: Solange die Teuerungsraten für Socken und Wasserkocher nicht deutlich über zwei Prozent liegen würden, seien die währungspolitischen Tauben des EZB-Rates nicht zufrieden. Man müsse Geduld haben, sage Zinssenkungspräsident Draghi, die Löhne müssten erstmal steigen.

Auch mit dem Rückbau der unkonventionellen Massnahmen lasse man keine Eile zu. Eben weil niemand wisse, wie die auf Niedrigzinsen und fehlende Risikoaufschläge konditionierten Schuldner der Eurozone - ob staatlich oder privat - mit einer strafferen Geldpolitik klarkommen sollten, ohne dass die durch Phantasie-Geldpolitik stabilisierte Wirtschaft der Eurozone abermals stolpere. Die (rechtlich höchst zweifelhaften) Maßnahmen mögen während der Eurokrise ihre Berechtigung gehabt haben, so die Experten von Aberdeen Asset Management. Fünf Jahre danach würden sie einfach nur noch den spekulativen Überschwang befeuern. Blasenplatzen vorprogrammiert. Gut für Anleiheninvestoren: Bis zur Septembersitzung und wahrscheinlich darüber hinaus müssten sie sich über steigende Renditen und fallende Kurse keine Sorgen machen. (08.06.2017/alc/a/a)