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EZB-Ratssitzung mit Spannung erwartet


04.09.17 13:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der wie immer mit Spannung erwarteten Ratssitzung der EZB am Donnerstag schießen die Gerüchte und Vermutungen hinsichtlich der mittel- und längerfristigen geldpolitischen Strategie ein wenig ins Kraut, so die Analysten der Nord LB.

Zwar würden die Finanzmärkte einhellig damit rechnen, dass der EZB-Rat keine Beschlüsse zur Adjustierung seines orthodoxen Instrumentariums fassen und die Leitzinsen dort belassen werde, wo sie seit März vergangenen Jahres seien. Das Augenmerk richte sich jedoch auf die kommunikative Vorbereitung des für den Jahresbeginn 2017 (oder später?) auf der Agenda stehenden Einstiegs in den Ausstieg aus dem Expanded Asset Purchasing Programme. Details zur Ausgestaltung und Umsetzung der von der Federal Reserve unter der Präzedenz und Begrifflichkeit des "Tapering" bereits vorgeführten schrittweisen Reduzierung der Nettoankäufe werde der Ratsvorsitzende Mario Draghi im Anschluss an die Sitzung nach unserer Auffassung noch nicht nennen. Diesbezügliche Diskussionen werde man "in the fall - or in the autumn", also im Herbst führen, habe Draghi beim letzten Mal gesagt. Die jahreszeitliche Zuordnung sei dehnbar.

Trotz der sehr robusten Konjunkturlage und der sich zumindest wieder etwas der Zielmarke nähernden Inflationsrate würden die Analysten erst im Anschluss an die nächste Sitzung am 26. Oktober mit handfesten Erläuterungen rechnen. Vor allem der starke Euro spreche gegen eine hastige Vorgehensweise. Auch wenn einige Ratsmitglieder wie der österreichische Notenbankchef Nowottny und der Vorsitzende der estnischen Nationalbank Hansson zuletzt versucht hätten, die Brisanz der Wechselkursbewegungen zu beschwichtigen, sei offensichtlich, dass dieses Thema den Ratsmitgliedern einige Sorgenfalten auf die Stirn treibe.

Interessant werde in diesem Zusammenhang sein, ob Draghi das Wechselkursthema initiativ adressieren werde, um den Euro auf diese Weise "schwach zu reden". Auf Hinweise aus sogenannten "vertraulichen Quellen", die am Freitag verbreitet worden seien und wonach die Notenbank sogar erst in ihrer Dezembersitzung ein klareres Bild der operativen Umsetzung des Tapering zeichnen werde, würden die Analysten nicht allzu viel geben. In diesem Fall müssten die Währungshüter riskieren, bei einem zu späten Ausstieg die ordnungspolitisch hochsensible Obergrenze von 33% des ausstehenden Volumens einzelner, inzwischen knapp gewordener Bundesanleihen zu verletzen. Das würden die Damen und Herren im EZB-Rat zu vermeiden suchen. (04.09.2017/alc/a/a)