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EZB-Ratssitzung im Fokus


07.09.17 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank steht heute im Mittelpunkt des Interesses, sofern der in der Karibik tobende Hurrikan Irma dem EZB-Chef nicht die Schau stiehlt, so die Analysten der Helaba.

Immerhin solle es sich bei dem Wirbelsturm um den stärksten je gemessenen seiner Art handeln. Beim Treffen der wichtigsten Notenbanker in Jackson Hole habe es Mario Draghi vermieden, weitergehende Andeutungen zur Zukunft der Geldpolitik in der Eurozone zu machen. Daher wäre es wohl überraschend, wenn der Zentralbankrat heute schon den Ausstieg aus dem QE beschließe. Dass aber zumindest die Diskussion über die Rückführung der Anleihekäufe und einen möglichen Start dieser im Januar 2018 geführt werde, würden die Analysten für wahrscheinlich halten.

Auf der Habenseite könne die EZB verbuchen, dass die Wachstumsperspektive mit etwa 2% in diesem Jahr und nur wenig geringer im nächsten Jahr solide sei. Zudem lägen Stimmungsindikatoren auf hohem Niveau und die Arbeitslosigkeit sinke kontinuierlich. Extrem lockere Geldpolitik durch unkonventionelle Maßnahmen erscheine daher langfristig nicht mehr angemessen. Allerdings sei das monetäre Umfeld als verhalten zu beschreiben, denn die Kreditvergabe expandiere nur schwach mit Raten zwischen 2% und 3% und die Geldmengenexpansion liege bei knapp 5%.

Zudem würden die Inflationsraten weiter unterhalb des EZB-Ziels verweilen. Insbesondere die Kernteuerung weise laut Draghi bis zuletzt noch keinen überzeugenden Aufwärtstrend auf. Eile in der Ankündigung des QE-Ausstiegs oder gar Signale in Richtung Zinserhöhungen seien somit nicht geboten.

Ein weiterer ungünstiger Einflussfaktor in der Wahrnehmung Mario Draghis dürfte die Euro-Aufwertung der letzten Monate sein. Dies konterkariere tendenziell die Bemühungen der EZB, die Konjunktur auf einen selbsttragenden Pfad und die Inflation damit in Richtung der Zielvorgabe zu bringen. Bisher habe es Mario Draghi vermieden, verbal gegen die Aufwertung des Euros vorzugehen. Angesichts der Tatsache, dass EUR-USD seit der letzten Ratssitzung der EZB nochmals um gut 5 Cent aufgewertet habe, könne eine Positionierung des EZB- Rates gegen deutliche Währungsschwankungen nicht ausgeschlossen werden.

Datenseitig richte sich das Interesse auf die deutsche Industrieproduktion. Nachdem es im Juni einen unerwartet kräftigen Rückgang gegeben habe, könnten die Zeichen auf Wachstum stehen. Jedoch mahne das Minus bei den Industrieaufträgen zur Vorsicht, wie auch das Minus der PKW-Produktion. Zudem seien in den USA negative Auswirkungen des letzten Hurrikans, Harvey, auf die Erstanträge auf Arbeitslosehilfe ins Kalkül zu ziehen. (07.09.2017/alc/a/a)