EZB vor der Ratssitzung - Bundesbank mit erster Reverse Auction


07.03.18 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EZB trifft sich am Donnerstag zu ihrer nächsten turnusmäßigen Ratssitzung, so Mario Gruppe, CIIA, und Norman Rudschuck, CIIA von der Nord LB.

Die Analysten der Nord LB erwarten keine größeren geldpolitischen Überraschungen. Weder sollte an der Zinsschraube gedreht werden, noch sei von Veränderungen der derzeitigen Parameter im Rahmen der Wertpapierankäufe auszugehen. Bis Ende September wolle die EZB zunächst EUR 30 Mrd. pro Monat in die bekannten Ankaufprogramme fließen lassen. Auch auf der Tonspur dürfte Notenbankchef Mario Draghi wenig Neues für die Marktteilnehmer bereithalten. Entsprechend rechnen die Analysten der Nord LB auch nicht mit nachhaltigen Spreadeffekten im Umfeld bzw. im Nachgang der Sitzung.

Seit geraumer Zeit gebe es in der europäischen Politik Überlegungen zur Weiterentwicklung des European Stability Mechanism (ESM) zum European Monetary Fund (EMF). Am Montag sei ESM-Chef Klaus Regling in Wien beim österreichischen Finanzminister Hartwig Löger gewesen. Dieser habe sich für eine Weiterentwicklung des Rettungsmechanismus ausgesprochen. Auch Regling habe seine aufgeschlossene Haltung und den Wunsch erneuert, als ESM "zusätzliche Verantwortung" zu übernehmen.

Das Wahlergebnis in Italien scheine bei den SSA-Marktteilnehmern kein Grund zu übermäßiger Sorge zu sein. Im Nachgang der Parlamentswahl, deren Ergebnisse nicht gerade für stabile politische Verhältnisse in Italien sprächen, hätten sich die Bondmärkte erstaunlich ruhig gezeigt. Italienische Staatsanleihen seien lediglich temporär mit minimalen Renditeaufschlägen konfrontiert gewesen. So habe die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen nur kurz oberhalb der Marke von 2% gelegen. Auch für die CDEP - einzige von uns analysierte italienische Agency - war die Italien-Wahl eher ein Non-Event. Bislang waren keine auf die Wahl zurückzuführende Spreadeffekte auszumachen, so die Analysten der Nord LB.

Die COE plane die Emission eines "Social Inclusion Bonds". Hierfür habe sie zu Wochenbeginn ein Bankenkonsortium mandatiert. In dieser und der kommenden Woche fänden zunächst eine Reihe von Investorentreffen statt, bevor die Anleihe dann - vermutlich im Laufzeitenbereich zwischen sieben und zehn Jahren - begeben werden solle. Die multilaterale Förderbank habe ihren Fokus mittlerweile auf die Wohnungsbau- und Arbeitsmarktentwicklung mit dem Ziel gelegt, die soziale Integration von Flüchtlingen und Migranten zu unterstützen. Im laufenden Jahr 2018 plane die COE mit einem Fundingvolumen von EUR 5 Mrd. Bislang habe die COE bereits zwei Benchmarkanleihen (je eine in EUR und USD) in diesem Jahr begeben.

Die Bundesbank habe vor einigen Wochen mitgeteilt, dass sie im Rahmen der PSPP-Käufe künftig auch auf Reverse Auctions zurückgreifen werde. In dieser Woche (Auktionsdatum 08.03.) finde nun die erste Auktion dieser Art statt. Gestern hätten diesbezüglich erste Testläufe auf den gängigen Handelsplattformen stattgefunden. Das beabsichtigte Zuteilungsvolumen liege bei EUR 100 bis 150 Mio. und damit in etwa in dem Zielkorridor der Reverse Auctions anderer Notenbanken. Nachgefragt würden in der ersten Woche ausschließlich Jumbo-Anleihen deutscher Bundesländer (NIESA 1.625 7/21, NIESA 1 8/22, NRW 3.5 7/21, NRW 1.875 9/22, BERGER 4.25 4/22, BERGER 1.875 9/21).

Das Land NRW habe eine Nachhaltigkeitsanleihe (ISIN DE000NRW0K03 / WKN NRW0K0) im EUR-Benchmarkformat begeben. Nachdem das Land zu Beginn des Jahres bereits im sehr langfristigen Bereich unterwegs gewesen sei, habe sich NRW nun im zehnjährigen Laufzeitenbereich refinanziert. Die ersten Preisvorstellungen hätten im Bereich von ms -12 Bp gelegen. Gepreist worden sei das Papier schließlich bei ms -14 Bp. NRW habe über die Transaktion EUR 2,025 Mrd. eingesammelt. Die Gesamtnachfrage habe mit einem Orderbuchvolumen von mehr als EUR 2,4 Mrd. auf hohem Niveau gelegen.

Das Land Niedersachsen habe in der vergangenen Woche eine fünfjährige Anleihe begeben. Dabei seien EUR 500 Mio. eingesammelt worden. Es handle sich bereit um die dritte EUR-Benchmarkemission in diesem Jahr. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren habe sich das Bundesland nun erstmals im mittleren Laufzeitenbereich refinanziert, nachdem die beiden letzten Platzierungen mit längeren Laufzeiten ausgestattet gewesen seien. Im laufenden Jahr dürfte Niedersachsen noch häufiger an den Markt kommen - schließlich gelte es insgesamt mehr als EUR 8 Mrd. zu refinanzieren.

Der dänische Kommunalfinanzierer Kommunekredit (KOMMUN) habe seine zweite EUR-Benchmarkanleihe (ISIN XS1790280694/ WKN) in diesem Jahr begeben. Am aktuellen Rand habe der Emittent EUR 1 Mrd. im mittleren Laufzeitenbereich (fünf Jahre) eingesammelt. Die Anleihe sei bei ms -13 Bp begeben worden. Die Gesamtnachfrage des Marktes habe bei EUR 2,3 Mrd. gelegen. Mit der jüngsten Platzierung habe KOMMUN etwa die Hälfte des Fundingbedarfs für 2018 (EUR 6 bis 8 Mrd.) bereits erfolgreich eingeworben.

Darüber hinaus sei der Markt für SSA in den letzten Handelstagen eher von kleineren Emissionen und Taps gekennzeichnet gewesen. So habe beispielsweise die KfW EUR 250 Mio. über einen fünfjährigen Floater eingesammelt. Die NRW.Bank habe einen bis 2023 laufenden Floater um EUR 350 Mio. aufgestockt. Zunächst sollte der Bond um lediglich EUR 250 Mio. getappt werden, aufgrund der hohen Nachfrage habe das Bondvolumen allerdings um den genannten Betrag erhöht werden können. Das Nominalvolumen liege damit nun bei EUR 1,1 Mrd.

Auch die EIB sei mit einem Tap am Markt gewesen. Sie habe EUR 250 Mio. eingeworben. Der Preis für die Aufstockung der bis 03/2024 laufenden Anleihe habe bei ms -27 Bp gelegen. Ebenfalls mit einem Tap (EUR 100 Mio.) sei die französische OSEOFI am Primärmarkt gewesen. Insgesamt plane die Förderbank für das Gesamtjahr mit einem Fundingvolumen von EUR 5 Mrd. Kurz vor der Emission von EUR-Benchmarkanleihen stünden zudem die EIB (10J; Guidance: ms -15 Bp area) sowie Finnvera (15J; Guidance: ms -8 Bp area).

Im Ländersegment seien primärseitig EUR 500 Mio. Niesa 03/23 bei ms -22 Bp begeben worden. Die Anleihe sei ohne Pick-up angeboten und vom Markt mittelmäßig angenommen worden. Bei einem stabilen Spreadniveau sei die Nachfrage im Ländersegment insgesamt sehr limitiert. Insofern sei es für den Markt momentan durchaus positiv, dass die Bundesländer mit weiteren Neuemissionen relativ zurückhaltend seien. (07.03.2018/alc/a/a)