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Die EZB-Räte wollen den Euro noch stärker als bisher inflationieren


15.07.21 16:00
Degussa Goldhandel

München (www.anleihencheck.de) - Die EZB hält trotz ihres neuen Inflationsziels an einem "alten Inflationsverständnis" fest: Sie versteht Inflation als das Ansteigen der Konsumgüterpreise (künftig auch unter Einbeziehung von Mietzahlungen), so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel im aktuellen Marktkommentar.

Doch die Inflation der Konsumgüterpreise spiegele bei weitem nicht das tatsächliche Ausmaß der Kaufkraftentwertung des Geldes wider. Die Kaufkraft des Euro bemessen anhand der Konsumgüterpreise - sei seit Anfang 1999 um 31 Prozent gefallen. Anders gesagt: Mit einem Euro habe man 1999 noch 1 Apfel kaufen können. Anfang 2021 habe man nur noch 0,69 Äpfel für 1 Euro bekommen. Lege man die Häuserpreise zugrunde, habe sich die Kaufkraft des Euro halbiert seit seiner Einführung. Gegenüber US-Aktien habe sie mehr als 70 Prozent verloren, gegenüber dem Gold (in Euro gerechnet) 84 Prozent. Und in den kommenden Jahren werde die Euro-Kaufkraft sehr wahrscheinlich noch schneller schwinden als bisher.

Die Staatsschulden und das Bankwesen würden schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung zunehme - eine Entwicklung, die alles andere als "natürlich" sei, und die auch nicht dauerhaft sein könne.

Die Aussicht, dass die EZB es nicht mehr so ernst nehme mit ihrem Versprechen, die Preisinflation niedrig zu halten, könne leicht zu einer explosiven Mischung werden, die das Zeug habe, in eine echte Währungskrise zu münden. (15.07.2021/alc/a/a)