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EZB-Pressekonferenz: Kommt die Eurostärke zur Sprache?


05.09.17 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Einige Marktteilnehmer erwarteten inzwischen, dass Mario Draghi Sorgen über die jüngste Eurostärke zum Ausdruck bringen wird, so die Analysten der Nord LB.

Nachdem er das Thema in seiner Rede anlässlich der Notenbankkonferenz in Jackson Hole noch vermieden habe, sei die Erwartung umso größer, dass dies am Donnerstag auf der EZB-Pressekonferenz zur Sprache kommen werde. Der 13%-ige Wertgewinn des Euro gegenüber dem Dollar in diesem Jahr bringe den Währungshütern eine ganz neue und so nicht erwartete Herausforderung. Trotz des soliden Wachstums und der positiven Zahlen in Europa habe die Inflation, gemessen an der Zielmarke, noch lange kein ausreichendes Niveau erreicht. Die stark verbesserte Beschäftigungssituation habe noch nicht zu entsprechenden Lohnsteigerungen geführt, die sich in Preissteigerungen hätten übersetzen lassen.

Der EZB-Präsident werde angesichts dieses Dilemmas sehr vorsichtig formulieren müssen, um auf der einen Seite einen Ausgleich zwischen der Würdigung einer angemessenen Wertsteigerung der Gemeinschaftswährung wegen der geringeren politischen Gefahren und der robusteren Ökonomien in Europa und auf der anderen Seite der negativen Auswirkungen einer zu starken Währungsbewegung gegenüber anderen Währungen - insbesondere gegenüber dem US Dollar - zu finden. Auch wenn die Aufwertung des Euro lediglich dazu führen sollte, dass die Zentralbank die Ankündigung des erwarteten vorsichtigen Einstiegs in den Ausstieg aus der quantitativen Lockerung erst im Oktober ankündigen werde, so werde sie die Erholung der Eurozone und damit einen - wenn auch zu langsamen - Anstieg der Inflationsraten wahrscheinlich nicht nachhaltig gefährden.

Oder die EZB werde beizeiten versuchen, den Euro etwas schwächer zu reden, wenn nicht zumindest aus den USA entsprechend den Dollar unterstützende Nachrichten kämen. Bereits im Juni habe Draghi einen Vorgeschmack auf die Herausforderungen der Kommunikation hinsichtlich der sich ändernden Währungssituation bekommen, als er mit seinen Hinweisen auf gegebenenfalls notwendige Anpassungen in der akkommodierenden Geldpolitik eine Euro-Rally auf den höchsten Stand seit Beginn des Ankaufprogramms im Januar 2015 ausgelöst habe. (05.09.2017/alc/a/a)