EZB-Leitzinserhöhungen vor dem Jahr 2019 praktisch ausgeschlossen?


14.11.17 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In der laufenden Woche stehen einige wichtige Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA auf der Agenda, so Christian Lips von der Nord LB.

Die deutschen BIP-Zahlen sowie die ZEW-Umfragedaten aus dem November würden die hervorragende konjunkturelle Lage ein weiteres Mal bestätigen. Der Einfluss auf die Geldmarktkurve dürfte jedoch begrenzt sein. Daher werde sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf die diversen Auftritte von Notenbankmitgliedern richten - vor allem aus dem Kreis der EZB-Ratsmitglieder gebe es in den kommenden Tagen davon eine Fülle.

Im Nachgang der Oktobersitzung der EZB sei die beschlossene Verlängerung des EAPP bis mindestens September 2018 auch innerhalb des EZB-Rates in die Kritik geraten. So hätten sich Berichten zufolge die Notenbankchefs der Bundesbank und der Niederländischen Zentralbank, Jens Weidmann und Klaas Knot gemeinsam mit den Direktoriumsmitgliedern Benoît Coeuré und Sabine Lautenschläger für die Verkündung eines definitiven Enddatums ausgesprochen. Coeuré als zuständiges Direktoriumsmitglied für die Märkte und Chefarchitekt des QE-Programms habe betont, dass er hoffe, dass dies die letzte Verlängerung gewesen sei. Auch sein Landsmann und Chef der Banque de France, François Villeroy de Galhau, sei zuletzt ebenso wie heute Ewald Nowotny von der sehr vorsichtigen Linie, wie sie vor allem vom EZB-Chefvolkswirt Peter Praet verteidigt werde, abgerückt. Mit Constancio, Lane und Praet hätten sich jedoch auch die Befürworter der Linie Mario Draghis klar öffentlich positioniert.

Es bleibe aber festzuhalten, dass der sich abzeichnende stärkste Aufschwung in der Eurozone seit der Jahrtausendwende das Potenzial habe, die Mehrheitsverhältnisse im EZB-Rat zu verändern. Leitzinserhöhungen würden aber vor dem Jahr 2019 praktisch ausgeschlossen bleiben, wie auch Ewald Nowotny unter Verweis auf die Forward Guidance nochmals betont habe. Zu Beginn der Woche notiere der 3M-Euribor wie schon seit Monaten praktisch unverändert bei -0,329% und der Zwölfmonatssatz liege auf seinem Allzeittief bei -0,191%.

Wenig verändert zur Vorwoche würden sich auch die mittelfristigen Leitzinserwartungen an den Märkten präsentieren: Der Eonia 1Y1Y Forward notiere aktuell bei -0,2756% und der Eonia 2Y1Y Forward liege mit - 0,0314% weiter knapp im negativen Bereich. Implizit ergebe sich aus den aktuellen Marktsätzen auf Sicht von einem Jahr ein unverändertes Leitzinsniveau in der Eurozone und auf Sicht von zwei Jahren ein leicht höherer Einlagefazilitätensatz von ca. -0,20%. Dies passt recht gut zu der Prognose der Analysten der Nord LB, wonach Mitte 2019 die EZB mit leichten Erhöhungen des Einlagesatzes die Zinswende einläuten wird. (Ausgabe vom 13.11.2017) (14.11.2017/alc/a/a)