EZB: Leitzinsen auf Rekordtief belassen, Zentralbanküberraschung aus der Türkei


14.09.18 11:45
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die gestrige Sitzung der EZB dürfte die allerwenigsten Akteure großartig überrascht haben, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Dass die Leitzinsen auf ihrem Rekordtief belassen worden seien (Hauptrefinanzierungssatz bei 0 Prozent, Einlagenzinssatz für Banken -0,4 Prozent), bedürfe eigentlich keiner besonderen Erwähnung mehr. Genauso wie die formelle Bestätigung, dass das Volumen der Anleihekäufe wie bereits im Juni angekündigt ab Oktober auf monatlich 15 Mrd. Euro halbiert werde, um dann zum Jahresende - sofern sich am Inflationsausblick nichts Gravierendes ändere - ganz eingestellt zu werden. Auch bei den Wachstumsprognosen habe es keine Überraschung gegeben, da bereits gestern eine geringfügige Senkung von Medien kolportiert worden sei. Damit gehe die EZB nun für das laufende Jahr von einem Wachstum von 2,0 Prozent (zuvor 2,1 Prozent), von 1,8 Prozent für 2019 (zuvor 1,9 Prozent) und unverändert von einem Plus von 1,7 Prozent für 2020 für die Eurozone aus.

Erwartungsgemäß seien die Inflations-vorhersagen für die vorgenannten drei Jahre bei jeweils 1,7 Prozent geblieben. Dabei habe EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz festgestellt, dass die Risiken für das Wirtschaftswachstum, trotz der zunehmenden Gefahren, die vom Protektionismus und den Turbulenzen in den Schwellenländern ausgegangen seien, ausgewogen seien. Mehrfach habe der EZB-Präsident sogar auf das starke Momentum verwiesen, das dem Wachstum zugrunde liege. Damit seien zumindest Befürchtungen einiger Händler vom Tisch, dass Draghi die gesenkten Wachstumsprognosen und etwaige Risiken zum Vorwand nehmen könnte, die erste Zinserhöhung noch weiter als "mindestens über den Sommer 2019" hinauszuschieben. Dies sei schließlich auch einer der Gründe gewesen, warum der Euro gestern Nachmittag Flügel bekommen habe.

Allerdings sei die EZB-Pressekonferenz ziemlich genau mit der Publizierung der Verbraucherpreise in den USA zusammengefallen. Dabei habe der Konsumentenpreisindex enttäuscht und sei auch in der Kernrate mit einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinter den Erwartungen der Ökonomen (im Mittel +2,4 Prozent) zurückgeblieben. Deswegen dürfte sich ein Teil des Euro-Aufschwungs gegenüber dem Dollar auch diesen Zahlen verdanken.

Die größte Zentralbanküberraschung am gestrigen Tag komme allerdings aus der Türkei. So habe die dortige Nationalbank den Schlüsselzins überraschend deutlich von 17,75 auf 24 Prozent angehoben. Dies sei nicht nur deutlich mehr, als der Durchschnitt der Ökonomen erwartet habe (21 Prozent). Denn mit dem mutigen Zinsentscheid habe sich die Notenbank gegen Staatspräsident Recep Erdogan gestellt, der diese nur wenige Stunden zuvor noch in einer Rede attackiert habe. Per Saldo habe der Euro gestern die Obergrenze seiner Konsolidierung (1,1660/65) leicht überschritten und damit seinen vormaligen kurzfristigen Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Dieser verlaufe zwischen 1,1555 und 1,1850. (14.09.2018/alc/a/a)