Erweiterte Funktionen

EZB-Konjunkturbericht und Redebeiträge


09.11.17 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank liegt nun zwei Wochen zurück und Marktteilnehmer hatten ausreichend Zeit, die veränderten QE-Rahmenbedingungen einzupreisen, so die Analysten der Helaba.

Nach vorne blickend stelle sich die Frage nach dem Ende der Anleihekäufe im Herbst 2018. Dass es zu einer nochmaligen Ausdehnung des QEs komme, würden die Analysten vor dem Hintergrund der soliden konjunkturellen Perspektiven in Deutschland und der Eurozone nicht für wahrscheinlich halten.

Ein schnelles Tapering der bis dahin bei 30 Mrd. EUR pro Monat liegenden Aktivitäten am europäischen Rentenmarkt sollte ins Kalkül gezogen werden, sodass 2019 erstmals seit 2015 keine Netto-Käufe von Wertpapieren seitens des Eurosystems durchgeführt werden dürften. Der heute zur Veröffentlichung anstehende Konjunkturberichts der EZB (Economic Bulletin) sollte dieses Szenario nicht in Frage stellen, mit dem Verweis auf niedrige Teuerungsraten aber die vorsichtige Vorgehensweise der Notenbanker rechtfertigen.

Medienberichten zufolge habe es innerhalb des EZB-Rats Kritik an der unveränderten Forward Guidance gegeben. Unter anderen Bundesbankpräsident Weidmann und der Gouverneur der Bank von Frankreich Villeroy de Galhau sollten für eine Änderung geworben haben. Die beiden Notenbankchefs würden sich heute neben einer Reihe von EZB-Ratsmitgliedern mit Redebeiträgen im Kalender finden. Die kurzfristigen Leitlinien der EZB-Politik dürften sich damit zwar nicht verändern, die Erwartungen über den zukünftigen Pfad der Geldpolitik könnten aber beeinflusst werden.

Der datenseitige Einfluss auf das Marktgeschehen sei begrenzt. In Deutschland von Interesse seien die Außenhandelszahlen, auch im Hinblick auf das BIP-Wachstum des dritten Quartals. Ein Minus der Exporte sollte nicht überraschen, denn die Industrieproduktion habe in Reaktion auf den starken Augustwert bereits nachgegeben, sodass die Konsensschätzung als realistisch einzustufen sei. In Frankreich gebe die Geschäftsklimaumfrage der Bank von Frankreich einen weiteren Hinweis auf die Stimmungslage der Unternehmen und ein fester Wert sei zu erwarten. Auf anhaltend niedrigem Niveau sollten die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA liegen, mithin gebe es wohl keinen Anlass, an einer Zinserhöhung seitens der FED zu zweifeln. (09.11.2017/alc/a/a)