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EZB: Kaufprogramm bald auf Sparflamme?


08.09.17 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn man der Pressekonferenz von Mario Draghi am Donnerstag folgte, so konnte man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass es dem EZB-Rat schwer fällt, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen, so die Analysten der Helaba.

Es sei zwar keine Überraschung, dass die für den Herbst angekündigten Entscheidungen über das Kaufprogramm erst am 26. Oktober erfolgen würden, allerdings habe der EZB-Chef keinesfalls so gewirkt, als habe die Notenbank bereits einen ausgearbeiteten Plan zur Hand. Vielleicht liege dies an der jüngsten Stärke des Euro, die nach eigenem Bekunden für erhöhte Unsicherheit bei den Notenbankern sorge. Die veränderten Währungskonstellationen seien bereits in die EZB-Projektionen eingearbeitet worden und hätten eine leichte Reduktion der Inflationsprognosen für 2018 und 2019 auf 1,2% bzw. 1,5% bewirkt. Der erweiterte Abstand zum Ziel von nahe 2% spreche für ein verhaltenes Vorgehen im Oktober. Allerdings weise die von 1,9% auf 2,2% angehobene Wachstumsprognose für 2017 auf ein konjunkturelles Umfeld, das deutlich weniger geldpolitische Unterstützung benötige.

Zudem gebe es den Druck, das Kaufprogramm zurückzufahren aufgrund der vor allem bei deutschen Staatsanleihen schon bald erreichten Obergrenze von 33%. Besitze die EZB mehr als ein Drittel aller ausstehenden Staatsanleihen, so mache sie sich politisch und juristisch angreifbar. Zwar sei diese Schranke von ihr selbst gesetzt worden - eine Anpassung sei hier somit theoretisch ebenso möglich wie eine Veränderung des Verteilungsschlüssels zwischen den Staatsanleihen. Der jüngste Vorstoß des Bundesverfassungsgerichts bezüglich des Problems der verbotenen Staatsfinanzierung zeige allerdings, wie eng die Spielräume hier seien.

Die meisten Beobachter würden im ersten Schritt mit einem von 60 Mrd. auf 40 Mrd. Euro reduzierten monatlichen Ankaufvolumen rechnen. Allerdings mache es aus Sicht der EZB durchaus Sinn, das Programm stärker zu drosseln, also auf 30 oder sogar 20 Mrd. Euro. Dies gäbe mehr Spielraum bezüglich der Gesamtlaufzeit des Programms. Auch würde es dem bislang eisern durchgehaltenen Beschluss, dass die EZB im Ernstfall das Programm ausweite, deutlich mehr Gewicht verleihen. Es sei fraglich, ob sich die EZB zu einem konkreten Ausstiegsdatum aus dem QE-Programm durchringen könne. Wenn es nach den heimlichen Wünschen einiger EZB-Ratsmitglieder gehe, so dürfte dieses Programm ohnehin nie wirklich beendet werden: Man sehe nur die Vorteile und verdränge die langfristigen Nebenwirkungen des billigen Geldes. Mario Draghi habe in der Pressekonferenz klargemacht, dass es aus Sicht der EZB derzeit keine negativen Effekte des Programms gebe. Bei den negativen Leitzinsen sei man sich allerdings nicht ganz so sicher. (08.09.2017/alc/a/a)