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EZB: Je stärker der Euro, desto großvolumiger die zukünftigen Anleihekäufe


11.09.17 11:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der abgelaufenen Woche war - wie zuvor erwartet - die Zinssitzung der EZB das prägende Ereignis für Geld- und Anleihemarkt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dabei seien es nicht die spärlichen neuen Informationen gewesen, welche Aufschluss über den zukünftigen Kurs der Notenbank Aufschluss gegeben hätten. Vielmehr sei es der Mangel an Neuigkeiten gewesen, der gewisse Rückschlüsse zulasse. Denn ohne deutliche Änderung der Wortwahl sei auch nur eine sehr vorsichtige Modifikation des Maßnahmenmix absehbar. Dies sei besonders in Bezug auf die Leitzinsen deutlich geworden. Angesprochen auf die aktuelle Markterwartung von unveränderten Leitzinsen bis Ende 2019 habe EZB-Präsident Draghi zwar nur die wohl bekannte Guidance wiederholt ("… ECB interest rates to remain at their present levels for an extended period of time, and well past the horizon of the net asset purchases"). Dies mache aber im Gesamtkontext eine Leitzinsänderung im Jahr 2018 sehr unwahrscheinlich. Für die Geldmarktsätze ist somit ein weitgehend unverändertes Niveau für das Jahr 2018 zu erwarten (die Prognosen der Analysten der RBI werden diesbezüglich überarbeitet).

Der Plan für die Anleihekäufe nach Dezember 2017 (Volumen, Zusammensetzung, Dauer) solle im Oktober beschlossen werden (einige Details könnten laut Draghi erst im Dezember festgemacht werden). Eine in Zukunft akzentuierte Abweichung vom Kapitalschlüssel bei der Verteilung der Staatsanleihekäufe sei von Draghi klar zurückgewiesen worden. Ebenso stehe das Emittentenlimit von 33% nicht zur Debatte. Allein die Tatsache, dass bei unveränderten Parametern die EZB bei deutschen Staatsanleihen im Jahr 2018 an ihre Grenzen stoßen würde, lasse auf eine Reduktion des monatlichen Kaufvolumens im kommenden Jahr schließen. Eine Vorabfestlegung des Ausstiegspfads habe aber mit der vorsichtigen Wortwahl an Wahrscheinlichkeit verloren.

Zudem sei der Einfluss des Wechselkurses auf den zukünftigen Maßnahmenmix stark betont worden, was eine gewisse Flexibilität bedinge. Die angedeutete Logik sei: Je stärker der Euro, desto länger/großvolumiger die zukünftigen Anleihekäufe. Somit dürfte der EZB-Rat eher Stück für Stück eine Reduktion des Volumens im Jahr 2018 beschließen. Zudem sei über die Zeit auch eine Modifikation der Zusammensetzung ein Thema (beispielswiese ruhe das ABS-Programm aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit bereits de facto - ein frühes formales Ende wäre also logisch). In Summe dürfte die EZB ihren Ausstieg aus den Anleihekäufen noch vorsichtiger gestalten als von uns unterstellt und somit für weniger Aufwärtsdruck bei der Rendite für deutsche Staatsanleihen sorgen als von uns bislang prognostiziert (eine neue Einschätzung wird in den kommenden Tagen veröffentlicht), so die Analysten der RBI.

Die Daten in den kommenden Tagen würden wenig Markteinfluss bringen: Industrieproduktion für Juli in Italien (klares Minus im Vergleich zum Juni) und in der Eurozone (die Analysten der RBI setzen eine kleinen Rückgang gegenüber dem Vormonat an), Beschäftigung Eurozone (deutliches Plus im Vergleich zum Vorquartal). (Ausgabe vom 08.09.2017) (11.09.2017/alc/a/a)