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EZB: Inflationsziel von 2% beschlossen


16.07.21 12:45
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat ein symmetrisches Inflationsziel von 2% beschlossen, das mittelfristig erreicht werden soll, so Willem Verhagen, Senior Economist bei NN Investment Partners.

Eines der Hauptprobleme, das auch von der US Notenbank erkannt worden sei, sei, dass die EZB in einer Welt mit flacher Gleichgewichtszinsstrukturkurve wahrscheinlich für eine beträchtliche Zeit an die Untergrenze des Leitzinses gebunden sein werde. Die EZB sei der Ansicht, dass in diesem Fall besonders entschiedene und nachhaltige politische Maßnahmen erforderlich seien, um ein Abdriften der Inflationserwartungen zu verhindern. Dies habe die EZB wohl bereits getan, seit sie im Jahr 2015 mit QE begonnen habe.

Die eigentliche, von der EZB nicht wirklich beantwortete Frage sei daher: Warum habe dies bisher nicht funktioniert? Die Strategie der FED im Umgang mit Abwärtsrisiken bei den Inflationserwartungen bestehe darin, für eine gewisse Zeit eine moderate Inflationsüberschreitung in einer Periode anzustreben, in der die untere Grenze des Leitzinses nicht bindend sei. Die Reaktion der EZB sei in dieser Hinsicht wesentlich schwächer. Sie habe erklärt, dass "dies auch eine vorübergehende Periode beinhalten kann, in der die Inflation moderat über dem Zielwert liegt".

Es sei offensichtlich, dass die "Falken" und "Tauben" diesen Satz unterschiedlich interpretieren würden. Die Falken seien der Meinung, dass ein unbeabsichtigtes Überschießen der Inflation, das sich voraussichtlich selbst wieder aufhebe, keine Straffung der Geldpolitik erfordere. Dies sei eigentlich bereits gängige Praxis der EZB. Im Gegensatz dazu würden die Tauben versuchen, diese Formulierung als Rechtfertigung dafür zu verwenden, eine Inflationsüberschreitung nach FED-Manier anzustreben.

Die Schlussfolgerung ist also, dass der eigentliche Kampf zwischen den Falken und den Tauben - er bestimmt, wie sich im Detail der geldpolitische Kurs der EZB als Ergebnis der strategischen Überprüfung verändern wird - noch vor uns liegt, so die Experten von NN Investment Partners. Insbesondere werde sich dieser Konflikt darauf konzentrieren, inwieweit die im PEPP eingebauten Spielräume (in Bezug auf die Möglichkeit, vorübergehend vom Kapitalschlüssel abzuweichen und den Verzicht auf Emittenten- und Emissionslimits) auf das reguläre QE-Programm der EZB übertragen würden. Es werde wohl auch darum gehen, in welchem Ausmaß eine stärkere Verpflichtung in die Zinsleitlinie eingebaut werde, die Politik erst dann zu straffen, wenn das "Weiße im Auge" der Inflation zu sehen sei. Kurz gesagt, der Markt sei also immer noch mit einem erheblichen Maß an Unsicherheit über die künftige EZB-Politik konfrontiert, was durchaus ein Nährboden für Volatilität sein könnte. (16.07.2021/alc/a/a)