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EZB: Hilfe für "gefallene Engel"?


07.07.20 10:30
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Als Unternehmen, die ihr Investmentgrade-Rating verloren haben, müssen "Fallen Angels" mit Nachteilen bei der Refinanzierung rechnen, so Marc Decker, Leiter Asset Management von Merck Finck Privatbankiers.

Im gegenwärtigen Umfeld wiege dies doppelt schwer. Denn bei ihrem aktuellen Kaufprogramm sei die EZB an die Mindestanforderung eines Investmentgrad Ratings gebunden. Unternehmen, welche dieses Rating verlieren würden, würden aus dem 750 Mrd. Euro großen "Pandemic Emergency Purchase Programm" (PEPP) fallen. Daran werde sich wohl auf absehbare Zeit nichts ändern. Denn der EZB falle es aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher nationaler Interessen und der Haftungsverhältnisse deutlich schwerer, die Kreditrisiken in ihren Anleihebeständen auf Hochzinsanleihen auszuweiten, als dies zum Beispiel in den USA der Fall sei.

In Europa scheinen die bisherigen Liquiditätsmaßnahmen aber nicht weniger positiv zu wirken, so die Experten von Merck Finck Privatbankiers. Zumindest beim Vergleich der Risikoaufschläge an den Anleihemärkten sei der Rückgang seit den Höchstständen im März in Europa etwa vergleichbar mit dem in den USA. Das Problem der Refinanzierung von Unternehmen, die im Zuge der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten seien, sei hier vor allem politisch adressiert worden. So hätten viele Länder über ihre Förderbanken Hilfskredite zur Verfügung gestellt. In Deutschland habe diese Aufgabe die KFW übernommen. Davon hätten auch "gefallene Engel" wie z.B. Lufthansa oder Renault profitiert. Dieses Vorgehen entspreche den Besonderheiten des europäischen Marktes, auf dem die Bedeutung der Banken für die Unternehmensfinanzierung deutlich größer sei.

Solange die Refinanzierungsfunktion der Anleihemärkte nicht substanziell gestört sei, werde die EZB ihren Fokus weiter auf Investmentgrad-Anleihen legen und über ihre Refinanzierungsprogramme (TLTROs) die Liquidität der europäischen Banken sicherstellen. Erst wenn die Funktion dieser Instrumente nicht mehr gegeben sein sollte, könnte die EZB eine Ausweitung ihrer Maßnahmen auf Hochzinsanleihen und "gefallene Engel" in Erwägung ziehen. (07.07.2020/alc/a/a)