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EZB: Herbst erst im Oktober?


01.09.17 16:00
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Mario Draghi deutete noch auf der letzten Notenbanksitzung an, dass man "im Herbst" über den weiteren Verlauf des QE-Programms entscheiden wolle, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Zumindest aus meteorologischer Sicht befinde man sich zwar seit heute in der dritten Jahreszeit, ob bereits auf dem nächsten Zentralbanktreffen am kommenden Donnerstag über eine mögliche weitere Reduzierung der Ankäufe entschieden werde, würden die Analysten dennoch für fraglich und gehen vielmehr davon aushalten, dass eine entsprechende Ankündigung erst auf der Oktobersitzung erfolgen werde. Vorteil der Sitzung im kommenden Monat: Die mögliche EZB-Entscheidung kollidiere nicht mit den Ende September stattfindenden Bundestagswahlen in Deutschland.

Insgesamt würden die Analysten davon ausgehen, dass die EZB ihre Assetankäufe im kommenden Jahr graduell reduzieren und per Ende des Jahres einstellen werde. Mit einer Zinserhöhung würden sie auch 2018 nicht rechnen. Auf der Sitzung am Donnerstag stünden entsprechend wohl zunächst nur die neuen Projektionen der Währungshüter im Fokus. Während die Wachstumserwartungen für 2018 und 2019 wohl leicht nach oben geschraubt würden, dürfte die neuerliche Euro-Aufwertung zu einer erneut niedrigeren Inflationseinschätzung in 2019 von nur 1,5% gg. Vj. (zuvor: 1,6%) führen.

Weitere Notenbankentscheidungen stünden kommende Woche in Australien, Kanada und Schweden an. Überall sollte aber die "Politik der ruhigen Hand" dominieren. In Australien gestalte sich der Aufschwung dabei mittlerweile solide genug, dass für die Währungshüter Anfang 2018 eine Zinserhöhung auf die Agenda rücken sollte. Die Bank of Canada sollte nach der Zinserhöhung im Juli zwar keine Eile haben, erneut auf die geldpolitische Bremse zu treten, aber auf der Sitzung im Oktober den nächsten Zinsschritt auf dem Schirm behalten.

Das Treffen in Schweden dürfte dagegen aufschlussreich ausfallen. Zum einen dürfte sich die Riksbank am Donnerstag auf ein neues geldpolitisches Mandat mit geändertem Inflationsmaß festlegen, wodurch die schwedischen Währungshüter mehr Flexibilität bei der künftigen Ausrichtung der Geldpolitik erhalten würden. Zudem dürfte die Notenbank ihre Wachstums- und Inflationsprognosen nach oben anpassen, was durchaus auch mit einer Anpassung des Zinspfades einhergehen dürfte. Die Riksbank dürfte sich also im Rahmen der aktuellen Sitzung deutlich vom Expansionsmodus abwenden, wenngleich die Analysten mit einer Zinserhöhung erst im zweiten Quartal 2018 und damit erst nach Ende der Anleihenkäufe rechnen würden.

Fernab der Notenbankentscheidungen dürfte die deutsche Konjunktur ihren Aufschwung weiter fortsetzen. Die jüngsten Sentimenterhebungen hätten wenig Anlass zur Sorge geboten. Laut ifo-Institut sei die Erwartungshaltung der heimischen Unternehmen weiter gestiegen, der PMI für das Verarbeitende Gewerbe untermauere mit einem erneuten Anstieg von 58,1 auf 59,3 Punkte im August die anhaltend gute Stimmung in der Industrie. Entsprechend solide sollten sich auch die harten Konjunkturdaten aus dem Sektor zeigen. Die Analysten würden im Juli und damit zu Beginn des dritten Quartals mit einem Auftragsplus von 0,5% gg. Vm. und einer Produktionsausweitung um 1,1% gg. Vm. rechnen. Insgesamt würden sie ihre Gesamtjahresprognose für das heimische BIP auch dank des starken ersten Halbjahres von 1,9% auf 2,2% anpassen.

Der Blick über den großen Teich lohne sich in der kommenden Woche dagegen vor allem am Mittwoch, wenn mit dem ISM-Index die Stimmungslage im Dienstleistungssektor an Profil gewinne. Nachdem hier im Vormonat der schlechteste Sentimentwert im bisherigen Jahresverlauf erreicht worden sei, würden die Analysten im August mit einem leichten Plus auf 54,8 Punkte rechnen. (01.09.2017/alc/a/a)