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EZB in den Fußstapfen der FED


01.09.20 09:48
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Etwas im Schatten der Rede des FED-Vorsitzenden Jerome Powell hatte sich bei der virtuellen "Jackson Hole"-Konferenz auch EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane per Redebeitrag zu Wort gemeldet, so die Analysten von Postbank Research.

Er habe darauf hingewiesen, dass die Coronavirus-Pandemie drei Herausforderungen für die EZB bereitgehalten hätte: die Märkte zu stabilisieren, ein hinreichendes Angebot an Krediten bereitzustellen und potenzielle Risiken auf der Unterseite des Inflationspfades zu neutralisieren. Lane habe die Meinung vertreten, dass die Wirkung der bisherigen EZB-Geldpolitik auf die kurzfristigen Zinsen unzureichend sei. Auf die Phase der Stabilisierung der Märkte folge nun Phase zwei mit der Erreichung des Inflationsziels von zwei Prozent. Lane sei dabei sekundiert worden vom französischen Notenbankpräsidenten François Villeroy de Galhau, der angedeutet habe, dass die Strategieüberprüfung der EZB sich auf ein glaubwürdiges und symmetrisches Inflationsziel fokussieren werde.

Die EZB selbst erwarte bis 2022 eine Inflation von unter einem Prozent, was eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik wahrscheinlich mache. Es scheine daher durchaus möglich, dass die EZB das Kaufprogramm für Anleihen weiter ausbaue, obgleich noch nicht unbedingt bei der nächsten Sitzung am 10. September. Die deutsche Inflationsrate sei im August auf -0,1 Prozent gesunken; diejenige der Eurozone werde heute publiziert. Auch am gestrigen Feiertag in London habe der Euro leicht gegen den US-Dollar gewonnen. (01.09.2020/alc/a/a)