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EZB: Forward Guidance für EAPP bestätigt, Märkte warten auf Kommentare


11.09.17 13:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat auf ihrer Ratssitzung am vergangenen Donnerstag wie erwartet keine Beschlüsse zur Adjustierung der Leitzinsen gefasst, so die Analysten der Nord LB.

Auch das Expanded Asset Purchasing Programme (EAPP) werde im bestehenden Umfang von monatlich EUR 60 Mrd. mindestens bis Ende 2017 fortgesetzt. Dennoch sei das Interesse an den Erläuterungen des Ratsvorsitzenden Mario Draghi groß gewesen, da die Finanzmärkte nach jedem noch so kleinen und versteckten Hinweis auf die Ausgestaltung und Umsetzung der zum Jahresbeginn 2018 auf der Agenda stehenden schrittweisen Reduzierung der Nettoankäufe Ausschau gehalten hätten. Ein wichtiges Signal sei die Beibehaltung der Forward Guidance im bisherigen Zuschnitt. Demnach werde die Notenbank die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum und über die Dauer der Nettoankäufe hinaus auf dem gegenwärtigen Niveau belassen.

Auch mit Blick auf das EAPP sei die Formulierung, wonach sich die EZB im Bedarfsfall eine Ausweitung des Umfangs und/oder der Dauer des Programms vorbehalte, nicht angepasst worden. Dies sei Ausdruck einer betont vorsichtigen Strategie. Hätte die EZB die Märkte etwas forscher auf den Einstieg in den Ausstieg vorbereiten wollen, wäre der Verzicht auf diesen Easing Bias gewiss ein probates Mittel gewesen. Stattdessen habe Draghi auf der sich der Ratssitzung anschließenden Pressekonferenz erklärt, man habe zwar verschiedene Szenarien diskutiert, eine "Kalibrierung" des weiteren Umgangs mit dem EAPP werde man aber "im Herbst" vornehmen - auf Nachfrage habe Draghi die nächste Ratssitzung am 26. Oktober genannt.

Besondere Aufmerksamkeit habe sich auf die Kommentare des Ratsvorsitzenden zur merklichen Aufwertung des Euro gerichtet, die der EZB bekanntermaßen Sorgen bereite. Draghi habe klargemacht, dass der Wechselkurs keine Zielvariable der Notenbank sei. Die Entwicklungen und vor allem die Volatilität am Devisenmarkt müssten aber berücksichtigt werden und würden für Unsicherheit sorgen. Den Höhenflug der Gemeinschaftswährung habe dies bisher nicht stoppen können. In den turnusmäßig aktualisierten Projektionen würden sich graduelle Anpassungen finden. So würden die Volkswirte der Notenbank für dieses Jahr nun mit einem etwas stärkerem Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 2,2% (zuvor 1,9%) rechnen, die Inflationsprognose sei für 2017 bei 1,5% belassen und für 2018 aufgrund des starken Euro leicht von 1,3% auf nun 1,2% nach unten revidiert worden.

Draghi habe betont, Geduld sei gefragt, bis das Inflationsziel erreicht werden könne. Auch dies sei Ausdruck eines extrem vorsichtigen und dosierten Vorgehens. Die Analysten würden weiterhin erwarten, dass die EZB zum Jahresanfang 2018 beginnen werde, die Nettoankäufe schrittweise zu reduzieren und den Ausstieg aus dem EAPP bis September 2018 abgeschlossen haben werde. Da ihr beim Wechselkurs und bei den Renditen der Staatsanleihen kaum an größeren Turbulenzen gelegen sein könne, werde sie die Marktteilnehmer im Oktober sehr schonend darauf vorbereiten.

In dieser Woche gebe es dazu bereits mehrere Gelegenheiten. Das Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré habe heute schon einmal deutlich gemacht, dass exogene Schocks bei den Wechselkursen die Finanzierungsbedingungen verschärfen könnten. Auch wenn man die Aufwertung des Euro in den letzten Tagen und Wochen nicht als exogenen Schock interpretieren würde, lasse sich den Aussagen des Monsieur Cœuré doch entnehmen, dass er angesichts der starken Gemeinschaftswährung die derzeitige Geldpolitik als weniger expansiv einschätze als es beim ersten Hinsehen den Anschein haben möge. Morgen werde EZB-Vizechef Constancio in Frankfurt auftreten, gewiss auch mit einem taubenhaften Unterton. Am Donnerstag würden sich mit Jens Weidmann und Yves Mersch zwei Falken und am Freitag die beiden weiblichen Ratsmitglieder Danièle Nouy und Sabine Lautenschläger mit bestimmt nicht ganz deckungsgleichen Positionen äußern. (11.09.2017/alc/a/a)