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EZB: Fortsetzung der Anleihekäufe dürfte für längeren Zeitraum beschlossen werden


09.10.17 09:09
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen werden in der Eurozone Daten zur Industrieproduktion im August veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die deutsche Industrieproduktion dürfte im August saisonbereinigt um rund 3% p.m. gestiegen sein. Haupttreiber für den erwarteten kräftigen Zuwachs sei das Verarbeitende Gewerbe. Aufgrund einer seltenen Lage der Sommerferien und damit zusammenhängend der Werksferien sei die Automobilproduktion im August gemäß Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) im August gegenüber Juli um mehr als 22% nach oben geschnellt. Im langjährigen Schnitt sei im August dagegen ein Rückgang um 21% normal.

Bereinigt um diesen saisonalen Effekt dürfte das Statistische Bundesamt für den Bereich Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen daher im Vormonatsvergleich einen Anstieg von rund 30% ausweisen. Aufgrund des hohen Gewichts der Automobilindustrie werde sich dies merklich in den Zahlen zur Industrieproduktion niederschlagen. Hinzu komme, dass der preisbereingte Umsatz in der Industrie im August um 3,6% p.m. gestiegen sei. Auch dies spreche für einen außergewöhnlich starken Zuwachs der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Eine vergleichbare Situation habe es bereits im August 2016 gegeben. Damals sei die Automobilproduktion gemäß VDA "nur" um 0,1% p.m. zurückgegangen und der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe habe um 4,1% p.m. zugelegt. Die Industrieproduktion sei gegenüber Juli 2016 der ersten Schätzung zufolge um 2,5% gewachsen.

Des Weiteren von Interesse sei der sentix-Index, die erste Konjunkturumfrage für den Monat Oktober. Trotz des bereits hohen Niveaus halten die Analysten der RBI einen Anstieg für wahrscheinlich. Die Indikatoren der vergangenen Wochen würden in Summe auf eine starke Konjunkturdynamik hinweisen. Die anstehenden Veröffentlichungen würden diesen Eindruck verstärken. Dennoch sei inzwischen klar geworden, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre geldpolitische Unterstützung im Jahr 2018 nur vorsichtig reduzieren werde. Die jüngsten Aussagen einflussreicher Ratsmitglieder würden darauf schließen lassen, dass eine Fortsetzung der Anleihekäufe für einen längeren Zeitraum beschlossen werden dürfte (z.B. bis September 2018). Im Gegenzug könnte die Reduktion der monatlichen Käufe ein wenig höher ausfallen (z.B. von aktuell EUR 60 Mrd. auf EUR 30 Mrd.).

Die Analysten der RBI halten ihre Zinsprognosen für relativ robust bezüglich einer ganzen Reihe von denkmöglichen Varianten für die weitere Vorgehensweise der Notenbank. Denn die EZB dürfte letztlich nur Optionen in Erwägung ziehen, von denen kaum Aufwärtsdruck auf Benchmarkzinsen und Spreads ausgehen würden. Aus Sicht der Analysten der RBI hat sich der Markt bereits gut auf die wahrscheinliche zukünftige Strategie der EZB eingestellt und so bleiben die Analysten bei ihre "halten"-Empfehlung für deutsche Anleihen mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit.

Die Bemühungen Kataloniens, sich von Spanien abzuspalten, hätten bislang den breiten Markt kaum beeinflusst. Die Analysten der RBI denken, dass angesichts der verfahrenen Lage diese politische Unsicherheit noch länger anhalten wird. Schon am Montag könnte eine nächste Eskalation erfolgen (Tagung des Regionalparlaments, welche eigentlich gerichtlich untersagt worden sei). Allerdings erwarte man weiterhin keinen maßgeblichen Einfluss auf das allgemeine Pricing. Vielmehr sollte die Auswirkung des politischen Newsflows vor allem auf spanische Anleihen beschränkt bleiben. (Ausgabe vom 06.10.2017) (09.10.2017/alc/a/a)