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EZB: Feinadjustierung der Prognosen, alte Geldpolitik


05.06.17 11:57
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In der kommenden Woche stehen nicht Konjunkturdaten im Mittelpunkt des Marktinteresses - wobei die deutschen April-Daten zum Auftragseingang der Industrie sowie der Industrieproduktion und der Handelsbilanz das konstruktive Konjunkturmomentum untermauern dürften -, sondern die Frage nach der geldpolitischen Weichenstellung der EZB bzw. der politischen Weichenstellung in Großbritannien mit der Parlamentswahl, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Bei den makroökonomischen Projektionen der EZB-Experten würde die Analysten nur Feinadjustierungen bei unveränderten BIP-Prognosen (2017: 1,8%; 2018: 1,7%; 2019: 1,6%) und marginalen Abwärtsrevisionen beim Inflationsausblick für das laufende und das kommende Jahr um je 0,1 Prozentpunkte auf 1,6% bzw. 1,5% (2019: 1,8%) erwarten. Der Konjunkturausblick sollte aber nun als neutral und nicht mehr abwärtsgerichtet eingeschätzt werden. Wegen fehlender Anzeichen eines nachhaltigen Inflationsanstiegs dürfte sich die EZB dennoch sträuben, den Märkten ein deutliches Signal in Richtung einer Verschärfung der Geldpolitik zu geben. Mario Draghi, der EZB-Chef, dürfte zwar betonen, dass die Währungshüter den Exit aus der extrem expansiven Geldpolitik diskutiert hätten, aber die Zeit hierfür noch nicht gekommen sei. Die "forward guidance" der EZB sollte im Grundton noch unverändert bleiben.

In der Pressemitteilung zu den geldpolitischen Beschlüssen dürfte unverändert betont werden, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeitraum des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben würden. Bekräftigt werden dürfte auch, dass sofern sich der Ausblick eintrübe oder die Finanzierungsbedungen nicht mehr mit einem weiteren Fortschritt hin zu einer nachhaltigen Korrektur der Inflationsentwicklung im Einklang stünden, der EZB-Rat bereit sei, das Programm im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer auszuweiten. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt gehen davon aus, dass die EZB im 3. Quartal 2017 eine weitere Reduzierung ihrer Anleihekäufe von derzeit 60 Mrd. EUR auf 40 Mrd. EUR zum Jahresstart 2018 beschließen wird. Erst im 4. Quartal 2017 dürfte die EZB die Passage streichen, dass die Leitzinsen für längere Zeit niedrig bleiben würden. Das Ende der Anleihekäufe würden die Analysten zu Beginn des 4. Quartals 2018 erwarten.

Als die britische Premierministerin Theresa May von der "Conservative Party" im April die Neuwahl zum Unterhaus für den 8. Juni angesetzt habe, habe sie sich eines Vorsprungs vor der konkurrierenden "Labour Party" von mehr 20 Prozentpunkten gewiss sein können. Sechs Wochen später habe sich das Bild deutlich eingetrübt. Nach einer Modellrechnung des Meinungsforschers "YouGov" könnte die Regierung sogar ihre Mehrheit in Westminster verlieren. Die Wahllokale würden am Donnerstag um 22:00 Uhr britischer Zeit schließen und mit Ergebnissen sei erst am Freitagmorgen zu rechnen. Sollte es zu einem "hung parlament" kommen, dürfte sich die Unsicherheit über den weiteren Verlauf im "Brexit"-Prozess sofort spürbar negativ auf das Britische Pfund auswirken. An ihrer grundsätzlichen Meinung halten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt fest: Das Britische Pfund sollte in den kommenden Monaten wieder stärker unter Abwärtsdruck kommen. Per Jahresende 2017 würden sei zum Euro mit der Parität rechnen. (Ausgabe vom 02.06.2017) (05.06.2017/alc/a/a)