EZB-Entscheidungen im Fokus


12.09.19 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank ist heute gefordert, die selbst geweckten Erwartungen der Marktteilnehmer zu erfüllen, so die Analysten der Helaba.

Angesichts der massiv gesunkenen Renditen - ungeachtet jüngster Korrekturen - bestehe an den Finanzmärkten eine gewisse Erwartungshaltung. Könne es sich die EZB leisten, diese zu enttäuschen? Übertreffen werde sie sie kaum. So sei die mehrheitliche Erwartung, dass der Einlagenzinssatz um 10 Basispunkte auf -0,50% gesenkt werde. Einige Akteure würden sogar mit einer Herabsetzung des Zinses auf -0,60% rechnen. Zudem würden die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass es zu einer Wiederaufnahme von Netto-Anleihekäufen kommen werde. Die Analysten würden ab Januar nächsten Jahres mit Käufen im Volumen von monatlich 30 Mrd. Euro rechnen.

Aufgrund der bestehenden Knappheiten sei es aber noch offen, auf welche Segmente sich die neue Netto-Nachfrage des Eurosystems beziehen werde. Eine möglichst breite Einbeziehung von Wertpapieren würden die Analysten für wahrscheinlich halten, während eine alleinige Ausrichtung auf Staatsanleihen die rechtlichen Bedenken (Stichwort: Staatsfinanzierung) deutlich erhöhen würde. Die eingetrübte Konjunkturperspektive und die weiterhin zu geringe Inflationsrate nebst den rekordverdächtig tiefen Inflationserwartungen (5y/5y Forward) würden der EZB die nötige Argumentationsgrundlage bieten. Dies dürften auch die reduzierten BIP- und Inflationsprojektionen widerspiegeln.

Die Frage nach der Wirksamkeit neuer Maßnahmen und den unerwünschten Nebenwirkungen müsse nach Erachten der Analysten gestellt werden. Schon das bisherige Ankaufprogramm der EZB habe nicht zu einer massiven Ausweitung der Gesamtbilanz der europäischen MFIs geführt, mithin sei von einer Geldschwemme in der Realwirtschaft nicht zu sprechen. Das Geldmengenwachstum sei entsprechend moderat. Wohl aber sei es gelungen, Zinssätze und Risikoaufschläge nicht nur bei Staatsanleihen zu senken und oftmals in negatives Terrain zu drücken.

Phasenweise insbesondere 2015 sei es zudem zu einer Abschwächung des Euro-Außenwertes gekommen. Obwohl dies nicht die Zielgröße der EZB sei, dürfte der Wertverlust damals den Geldpolitikern zupass gekommen sein. Eine ungewollte Begleiterscheinung sei die weiter unter Druck stehende Zinsmarge des Bankgewerbes, sodass über eine Staffelung der negativen Einlagenverzinsung (Entlastung wohl für ein Vielfaches der Mindestreserveanforderungen) nachgedacht werde. Dies wirke - für sich genommen - allerdings straffend und wirke der Zinssenkungsabsicht entgegen, sodass es eine Gratwanderung für EZB-Präsident Draghi werde. (12.09.2019/alc/a/a)